Magazin für zeitgemäßes Wohnen

Effiziente Flächennutzung

Im Jahr 2015 wurden in Baden-Württemberg täglich rund 5,2 Hektar unbebaute Flächen im Rahmen von Siedlungs- und Verkehrsvorhaben in Anspruch genommen. Eine effiziente Flächennutzung ist dabei eine immens wichtige Aufgabe, zu der auch eine kostengünstige und klimaverträgliche Energieversorgung gehört – oft sichergestellt durch Energiegenossenschaften.

Energiegenossenschaften verfügen über Eigenschaften, die sie sehr flexibel und praxisorientiert auf Umbrüche und neue Herausforderungen reagieren lassen und zugleich einen hohen Grad an Bürgerbeteiligung ermöglichen. Angesichts rascher Veränderungszyklen in Wirtschaft und Gesellschaft ist dies von entscheidender Bedeutung. Die Rechtsform „eingetragene Genossenschaft“ (eG) wird in den letzten Jahren verstärkt von neuen Branchen und Zukunftsmärkten genutzt. Zahlreiche Neugründungen konnten im Bereich regenerativer Energien verzeichnet werden. Energiegenossenschaften setzen die Energiewende vor Ort mit konkreten Projekten um. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Photovoltaik, Nahwärmenetze, Blockheizkraftwerke oder Effizienzprojekte.

Ausgezeichnete Zusammenarbeit

Gemeinsames Ziel von Wohnungsbau und Energiegenossenschaften ist eine kostenverträgliche Stromversorgung. Das mit dem „Deutschen Solarpreis“ prämierte Mieterstromkonzept der Energiegenossenschaft Heidelberg in Kooperation mit der Baugenossenschaft Familienheim Heidelberg eG zeigt, wie moderne Mitgliederpartizipation umgesetzt werden kann. Die Energiegenossenschaft übernimmt Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb der PV-Anlagen. Die Baugenossenschaft stellt die Dachfläche (ca. 3.000 m2) zur Verfügung. Die PV-Module mit der Spitzenlast von 445,5 kWp produzieren ca. 370.000 kWh Strom, der den Mietern des Hauses zur Verfügung steht.

Die Bewohner des Mietshauses profitieren in zweifacher Hinsicht: Sie haben die Möglichkeit, den Strom vom Dach selbst zu nutzen, wobei der attraktive Strompreis für die nächsten 20 Jahre konstant bleibt. Zudem können die Bewohner sich selbst an den Anlagen beteiligen. Die Energiegenossenschaft kümmert sich ebenfalls um die Rest- stromlieferung in sonnenarmen Zeiten, die natürlich aus sauberem Ökostrom besteht. Auch andere Photovoltaik-Genossenschaften nutzen das Modell des Direktverbrauchs. Sie produzieren PV-Strom auf kommunalen Gebäuden, der direkt ins Gebäude verkauft wird, oder verpachten PV-Anlagen, sodass der jeweilige Pächter das Eigenstromprivileg nutzen kann, ohne dass er eine hohe Anfangsinvestition aufbringen muss.

Zukunftsfelder: Energieeffizienz & Elektromobilität

Mit PV-Modellen können die Energiegenossenschaften das enorme Dachflächenpotential nutzen, doch gehen die Kooperationen zwischen Wohnungsbau und Energiegenossenschaften schon weiter: Sie greifen auch Energieeffizienzthemen und das Thema Elektromobilität (z.B. Car-Sharing) auf. Wohnungsbau(-genossenschaften) und Energiegenossenschaften können bei diesen Themen voneinander profitieren und ihren Mitgliedern dabei einen Mehrwert an Leistungsangeboten zur Verfügung stellen.

Fachbeitrag des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes e.V.