Magazin für zeitgemäßes Wohnen

"Kreativität schafft Fläche"

Was macht Wohnen in Baden-Württemberg so teuer? In erster Linie ist es der knappe Baugrund, der die Kosten in die Höhe treibt. Doch ohne Fläche kein zusätzlicher, dringend benötigter Wohnraum – wo also bauen?

Hier kommt der Ideenreichtum der Stadtplaner, Bauherren und Architekten ins Spiel. Denn es ist nicht nur utopisch, es wäre auch nicht zeitgemäß, sämtlichen fehlenden Wohnraum über die Erschließung bisher unversiegelter Gebiete zu lösen.

„Bebauen Sie jene Flächen, die schon dicht bebaut sind“, fordert beispielsweise der Gastkommentator Professor Dietmar Eberle. Seinen Untersuchungen zufolge wird die Stadt der Zukunft „von baulicher Dichte, durchmischten Nutzungen und Fußläufigkeit für den alltäglichen Bedarf des Lebens“ geprägt sein. Alles Aspekte, die auch aus unserer Sicht eine relevante Rolle spielen. Doch um die Menschen, die Bewohner von einer solchen Vorgehensweise zu überzeugen, bedarf es eines wichtigen Arguments.

Egal, wie sich ihr Wohnraum verändert. Er verschlechtert sich nicht. Im Gegenteil, seine Qualität nimmt sogar zu. Ob es um die Potenziale zur Nachverdichtung oder zur Umnutzung für brachliegende Areale geht: Gefordert ist in jedem Fall große planerische und architektonische Fachkenntnis, gepaart mit viel Kreativität. Dann entstehen erfolgreiche Projekte zur optimalen Flächennutzung, die in KONZEPT vorgestellt werden. Sie alle zeigen, dass Fläche sich vervielfältigen kann, ohne sich auszuweiten.

„Um flächensparend zu bauen und eine hohe Freiraum-Qualität zu wahren, bedarf es aus meiner Sicht maximaler architektonischer Innovation und minimalinvasiver Stadtplanung.“

Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg

Wie lassen sich knappe Flächen, fehlende Wohnungen und hohe Wohnqualität unter einen Hut bringen?

Die Lösungen sind dabei so vielfältig wie die Areale, auf denen neuer Wohnraum entstanden ist. So hat beispielsweise ein innovativer Bauherr aus einer alten Schule in Höchenschwand ein modernes Mehrfamilienhaus gemacht. In Markdorf ist im Zentrum der Stadt ein locker bebautes Areal abgerissen und nachverdichtet neu aufgebaut worden.

Rheinfelden bei Lörrach ist den umgekehrten Weg gegangen und hat das Wohnquartier Goethestraße um zwei zehngeschossige Punkthäuser erweitert – und dafür nur 60 Quadratmeter zusätzliche Fläche erschließen müssen. In die Höhe geht es auch in Esslingen, allerdings in Form von Aufstockungen in Holzbauweise. Und Tübingen stellt unter Beweis, wie aus einer Industriebrache innerhalb kürzester Zeit ein lebendiges, neues Stück Stadt entstehen kann.

Dabei zeigen alle Projekte, dass es vor allem die Frei- und Zwischenräume sind, die bei hoher Verdichtung eine besondere Wichtigkeit gewinnen. In Kombination mit einer funktionierenden Infrastruktur sorgen sie für eine gute Aufenthalts- und Wohnqualität für die Bewohner.

Markus MüllerPräsident der Architektenkammer Baden-Württemberg