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Markdorf: Zentrales Wohnareal neu genutzt

In Verbindung mit dem Wunsch nach Ortskernbelebung lautet die Lösung oft, vorhandene Flächen mittels Geschossbau zu verdichten. Doch dazu braucht es geeignete Areale – wie zum Beispiel der neu errichtete Wohnpark Mangoldstraße in Markdorf. Hier sind 86 zentrumsnahe Wohnungen entstanden. Nicht ganz ohne Kritik.

Kurz & bündig

Zusätzlichen und bezahlbaren Wohnraum im Ortskern zu schaffen – dieses Vorhaben realisierte die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee eG durch die Neugestaltung einer bereits bestehenden Fläche in Markdorf. Das Areal in der zentrumsnahen Mangoldstraße befand sich bereits in ihrem Besitz, war bisher aber nur partiell bebaut. Nach Abbruch der Bestandsgebäude sind heute in dem neuen Wohnpark 86 Wohneinheiten entstanden. Sie alle sind nach Energieeffizienzstandard KfW 55, barrierearm und mit eigenem Hausgarten oder großzügigem Balkon errichtet worden. Die Mietpreise liegen zwischen 8,90 und 10 Euro pro Quadratmeter.

Eigentümerin der Anlage ist die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee eG. Ihr Anliegen mit dem umfangreichen Wohnprojekt ist es, Wohnqualität für alle Generationen mitten in der Stadt zu schaffen. Dass das teils mit Unmut einhergeht, ist für Florian Schellhammer, bei der Baugenossenschaft zuständig für Großprojekte, nichts Ungewöhnliches. Denn Nachverdichtungen bergen oft Stoff für Diskussionen.

Herr Schellhammer, ging es in Markdorf in erster Linie darum, auf der vorhandenen Fläche mehr Wohnraum zu schaffen?

„Auch, natürlich. Das Grundstück war zuvor partiell bebaut mit acht Häusern, die abgerissen wurden, um das neue Projekt zu realisieren. So konnten 86 Wohnungen geschaffen werden, das sind 46 Wohnungen mehr als vorher. Ich würde aber nicht sagen, dass im Zuge dessen mehr Fläche versiegelt wurde. Die Wohnqualität muss ja auch gewährleistet sein.“

Das ist ein gutes Stichwort: Inwiefern nutzen Sie die Fläche auch für ein Miteinander der Nachbarn?

„Die Anlage ist so gestaltet, dass es im Alltag der Bewohner immer wieder zu zwanglosen Begegnungen kommen kann. Dafür ist ausreichend Raum vorhanden. Inmitten der Anlage befindet sich beispielsweise ein Spielplatz. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Dort kommt man schnell mit anderen in Kontakt."

Das Areal war für den neuen Wohnpark prädestiniert?

„In Bezug auf die Ansprüche an das Projekt ist die zentrumsnahe Lage einfach ideal. Alles, was den täglichen Bedarf betrifft, ist fußläufig zu erreichen. Und auch für uns waren die Rahmenbedingungen günstig. Die alten Gebäude auf dem Gelände gehörten der Familienheim Bodensee-Linzgau eG, mit der wir vor einiger Zeit fusionierten. Der Leerstand war extrem hoch, nur sechs Parteien haben dort noch gewohnt. Wir haben allen Bestandsmietern die Option geboten, die neue Anlage mit zu beziehen. Aber dazu kam es gar nicht. Wir konnten allen Interessierten Alternativen aus unserem bisherigen Bestand anbieten.“

Wie ist die Nachfrage nach den neuen Wohnungen?

„Sehr gut! In Markdorf haben wir die ersten 40 Wohnungen bereits an die Mieter übergeben. Dabei ist das Bauvorhaben noch gar nicht abgeschlossen. Die Wohneinheiten sind alle fertiggestellt, aber im Moment hapert es witterungsbedingt noch ein bisschen an den Außenanlagen.“

Von der „Neuen Heimat“ zum „Familienheim“

Die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee eG wurde 1950 noch als „Neue Heimat“ in Radolfzell am Bodensee gegründet. Inzwischen zählt sie fast 2.500 Mitglieder. Mehr als 1.380 Wohn- und Gewerbeeinheiten gehören zum Eigenbestand, außerdem werden rund 1.450 Wohnungen fremder Eigentümer betreut.

Wie sind die einzelnen Wohneinheiten aufgebaut?

„Alle Wohnungen sind einheitlich ausgestattet, was Bodenbeläge, Bad oder auch WC angeht. In der Größe liegen wir zwischen 55 und 122 Quadratmetern. Damit wollten wir in Bezug auf die Mieter eine gesunde Durchmischung erzielen. Das ist uns bislang auch gelungen. Von der rüstigen Rentnerin bis zur Familie mit Kleinkindern ist in der Mieterschaft alles vertreten. So geht die Idee der Ortskernbelebung in Einklang mit dem Bedarf an mehr Wohnungen auf.“

An der fertiggestellten Anlage gibt es auch Kritik, wie in der Lokalpresse zu lesen ist. Was wird beanstandet?

„Diese Kritik kommt erst seit Kurzem. Das Konzept ist ja von Vertretern der Stadt Markdorf gutgeheißen worden. Manche überrascht nun die Größe der Anlage. Und natürlich ist es insgesamt ein großes Projekt für Markdorf. Aber wir haben über den gesamten Prozess hinweg sehr viel Wert auf Transparenz gelegt, waren in Kontakt mit der Presse und haben immer wieder Zwischenberichte vorgelegt, um den Entstehungsprozess zu dokumentieren.“

Kommentare wie „Knastatmosphäre“ nehmen Sie also gelassen?

„Über die Optik kann man sich immer streiten. Man trifft nie alle Geschmäcker. Aber da muss man eben auch den Bedarf sehen: zusätzlicher Wohnraum im Ortskern, bezahlbare Angebote, eine möglichst maximal ausgenutzte Fläche. Solche Projekte verlaufen nie ganz geräuschlos. Gemessen an der Größe des Vorhabens und den Gegebenheiten haben wir aber sehr positive Erfahrungen gemacht, insbesondere auch im Hinblick auf die Nachbarschaft. Da gab es ganz wenig Reibungspunkte. Wir haben Besichtigungstermine auch für die Anwohner angeboten. Alle waren sehr positiv gestimmt.“

Zum Schluss noch die Frage: Wie finanziert sich dieses umfangreiche Projekt?

„Überwiegend über eine klassische Hausbankfinanzierung und unter Verwendung von Eigenmitteln. Lediglich aufgrund der energieeffizienten Bauweise gab es entsprechende Fördermittel der KfW. Die Immobilie nehmen wir komplett in den Eigenbestand. Wir sehen das als sinnvolle Investition in die Zukunft unseres Unternehmens. Darin werden wir durch das große Interesse absolut bestätigt.“

„Die zentrumsnahe Lage in Markdorf ist für unser Projekt ideal. Das Grundstück war zuvor partiell bebautmit acht Häusern, die abgerissen wurden, um das neue Projekt zu realisieren. So konnten 86 Wohnungen geschaffen werden, das sind 46 mehr als vorher.“

Florian Schellhammer von der Baugenossenschaft Familienheim Bodensee eG

Das sagen die Kritiker:

"Der neue Wohnpark in der Mangoldstraße ist in Markdorf Gesprächsthema. Nach der Berichterstattung durch den Südkurier gab es auf der Facebook-Seite der regionalen Tageszeitung Kommentare wie „Schandfleck“, „übler Bunker“ oder „Knastatmosphäre“. Auch die Umweltgruppe Markdorf äußerte Kritik. Zwar wurde die erfolgreiche Umsetzung der gewünschten Wohnraumverdichtung gelobt. Bemängelt wurde unter anderem jedoch, dass die Mietpreise über dem mittleren Mietspiegel von 7,53 Euro pro Quadratmeter lägen und damit wenig attraktiv für Bürger mit geringem Einkommen seien. Architekt Andreas Rogg nimmt die Kritik am Erscheinungsbild gelassen: „Gestaltung ist etwas sehr Subjektives“, sagte er dem Südkurier. Die verwendeten Metallprofile dienten einerseits der Belichtung der Flurbereiche, funktionierten aber gleichzeitig auch als Sichtschutz. Zu den Mietpreisen sagte Stefan Andelfinger, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft Familienheim Bodensee eG: „Bei einem hochwertigen Neubau kann jemand eine Miete für unter zehn Euro pro Quadratmeter kaum mehr erwarten. Dennoch liegen wir im Wohnpark Mangoldstraße deutlich unter dem, was man normalerweise erzielen könnte.“

Bei Bedarf Mietzuschuss möglich

In Einzelfällen bietet die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee in Kooperation mit der Erzdiözese Freiburg eine Option für Interessenten mit geringem Einkommen. Bei entsprechendem Nachweis gewährt die Diözese für bestimmte Wohnungen einen Mietzuschuss in Höhe von 1,50 Euro pro Quadratmeter für einen Zeitraum von maximal zehn Jahren.

Faktenlage

Wohnpark Mangoldstraße, Markdorf

  • Fertigstellung: 2018
  • 86 Wohneinheiten

Zielvorgabe:

barrierearmer Massivbau, energieoptimierter und bezahlbarer Wohnraum mit hoher Wohnqualität

Miete:

8,90 bis 10 EUR pro m2

Förderung:

KfW-Förderprogramm (Energieeffizienzhaus 55), finanziert aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Bauherr:

Baugenossenschaft Familienheim Bodensee eG, Radolfzell

Architekten:

ROGG Architekten, Konstanz

Ausschreibung über Architektenwettbewerb