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Gutach: Baugruppe reduziert Kosten

Was in der Großstadt alternativlos ist, erfährt derzeit im ländlichen Raum eine Renaissance: der Geschosswohnungsbau. Er beansprucht weniger Fläche, bietet Platz für unterschiedliche Wohnmodelle und spart Kosten, sofern Bauherren, Projektentwickler und Bauteam Hand in Hand arbeiten. Ein gutes Beispiel dafür findet sich in Gutach im Breisgau.

Kurz & bündig

Der Wohnhof in Gutach ist ein Beispiel für bezahlbaren Geschosswohnungsbau in ländlichen Gegenden. Nahe Freiburg bietet er Platz für unterschiedliche Lebens- und Wohnmodelle: von Singles über Familien bis zu Senioren. Material und Ausstattung sind hochwertig, wobei der Preis – ob zur Miete oder als Eigentum – unter dem regionalen Durchschnitt liegt. Grund dafür ist das Konzept der RegioWerk GmbH: Die Architekten und Projektentwickler kaufen Flächen, planen Gebäude und führen Bauherren in Form moderierter Baugruppen zusammen. Zudem ist die Zusammenarbeit mit dem Bauteam, das die Planungen umsetzt, optimiert. Für die Bewohner bedeutet das im Ergebnis: planbare und verlässliche sowie im Vergleich günstige Bau- und Wohnkosten.

Im Einzugsgebiet Freiburgs gelegen, ist in dem 4.000-Einwohner-Ort der Wohnungsdruck ähnlich zu spüren wie in der Stadt. Zwar ist das Ausmaß an Platzverknappung noch geringer, doch ziehen Grundstückspreise und Mieten seit drei bis vier Jahren deutlich an.

Wer den Quadratmeter Wohnfläche zwischen 2.500 und 2.900 Euro kauft, bewegt sich gemessen an den Umständen im „bezahlbaren Bereich“, so Klaus Wehrle, Geschäftsführer der RegioWerk GmbH. Mit seinem Unternehmen hat er in Gutach ein Wohnprojekt umgesetzt, das dank gründlicher Vorbereitung und optimierter Zusammenarbeit qualitätsvollen Wohnraum zu tragbaren Kosten bietet.

Der Wohnhof in Gutach steht auf einer ehemaligen Grünfläche am Ortseingang. Derzeit leben 24 Menschen dort, die sich je nach Lebenssituation auf fünf Familienmaisonetten mit Gartenanteil, drei barrierefreie Wohnungen und drei Galeriewohnungen verteilen.

Je besser die Infrastruktur und Anbindung an die Ballungszentren, desto größer das Interesse.

„Mit den unterschiedlichen Wohnungstypen beugen wir einer Monostruktur vor“, sagt Klaus Wehrle. Zudem sei es längst nicht mehr so, dass nur Familien ins Umland auswichen. „Junge Leute und Senioren sind ebenso an etwas Passendem und Bezahlbarem interessiert. Je besser die Infrastruktur und Anbindung an die Ballungszentren, desto größer das Interesse.“

„Als Gemeinde im Speckgürtel Freiburgs spüren wir den Wohnungsdruck auch hier im ländlichen Raum immer deutlicher. Um weiterhin bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können, müssen wir auf gleicher Fläche dichter bauen. Auch wenn das anfangs auf Skepsis stieß, da mehrgeschossige Häuser unser Ortsbild nachhaltig verändern werden. Mit dem Wohnhof in Gutach konnten wir allerdings ein Projekt umsetzen, das heute eine breite Zustimmung findet: Es bietet elf moderne Wohnungen für Familien, Senioren und junge Leute. Alles unter einem Dach und zu bezahlbaren Konditionen.“

Urban Singler, Bürgermeister in Gutach

Gut geplant ist nachhaltig gespart

Als baugewerblicher Architekt setzt Klaus Wehrle neben dem Entwerfen von Gebäuden auch stark auf die Projektentwicklung. Dabei verfolgt er seine ganz eigene Vorgehensweise, wie neuer Wohnraum geschaffen und kostensensibel gebaut werden kann.

„Kurz zusammengefasst erwerben wir Grundstücke, entwickeln diese und suchen dann nach passenden Bauherren, die wir in einer moderierten Baugruppe zusammenführen“, so der Architekt. Das heißt, zukünftige Eigentümer treffen sich nicht „Freestyle“, um erst mal gemeinsam anzufangen zu überlegen, was sie wie machen wollen. Bei Klaus Wehrle bekommen Interessierte vielmehr ein fertiges Konzept vorgelegt, das eine realistische und konkrete Planungs-, Qualitäts- und Kostenstruktur beinhaltet.

„Als Architekt verantworte ich die Beschaffenheit und Güte des Gebäudes, deswegen behalte ich Entwurf und Auswahl der Materialien in meiner Hand“, erklärt er. „Der Vorteil für meine Kunden ist, dass sie von Beginn an wissen, was auf sie zukommt. Die Kosten sind plan- und kalkulierbar, so dass es keine unangenehmen Überraschungen gibt.“

Freiheiten in der Gestaltung hätten die zukünftigen Bewohner innerhalb der Gebäude, so Wehrle weiter. Dies sei ein wichtiger Teil der moderierten Zusammenkünfte. Einerseits würden Planungen seines Architekturbüros präsentiert, andererseits Wünsche und Vorstellungen der Bauherren besprochen.

Gemeinsam günstiger

Ein weiterer wesentlicher Kostenaspekt ist für Klaus Wehrle die Zusammenarbeit mit seinen Handwerkern und Zulieferern, kurz: dem Bauteam. „Wenn ich nicht nur meine Planung, sondern auch die Zusammenarbeit mit sämtlichen Firmen optimiere, spart das bis zu 20 Prozent an Aufwand und damit Kosten ein. Diese Preise reichen wir an unsere Kunden weiter.“

Wehrles Unternehmen praktiziert dieses Vorgehen sehr erfolgreich und verfolgt damit den Anspruch, Wohnen auch strukturell differenziert betrachten zu können. Verschiedene Wohnungstypen in einem Gebäude sorgen prinzipiell eher für höhere Kosten. Doch durch die Optimierungsgewinne, die das Bauteam ausmacht, reduziert sich der Aufwand und es bleibt mehr Gestaltungsspielraum.

Wohnen im Umland als bezahlbare Alternative?

Wie sich bezahlbarer Wohnraum definiert, ist für Klaus Wehrle von zahlreichen Faktoren abhängig. Das Umfeld und die Dichte der Bebauung spielen eine wesentliche Rolle, dazu kommen die Qualität der Bauten, ihre Energieeffizienz, Schallschutz, Materialien und vieles mehr. Seiner persönlichen Meinung nach ist von bezahlbarem Wohnraum die Rede, wenn dieser kostentechnisch um die 20 Prozent unter dem üblichen Mittelpreis angeboten wird.

Gerade auf dem Land, abseits der Ballungszentren, sieht er großes Potenzial. Es herrsche eine grundsätzliche Offenheit, was neue Wohnmodelle angehe. „Um für die Zukunft zu bauen, ist es aus meiner Sicht elementar, in einem Gebäude Platz für möglichst viele Wohnmodelle anzubieten“, sagt er. „Damit wird nicht nur die Nachbarschaft gut durchmischt. Vielmehr erhalten wir auch für junge Menschen die Chance auf Eigentum. Kostet ein Reihenhaus bei uns in der Region ab 350.000 Euro aufwärts, konnten wir unsere 110 Quadratmeter großen Familienmaisonetten mit Garten für 220.000 Euro anbieten.“

Miete und Eigentum

Gleich zu Beginn der Planungen zum Wohnhof Gutach meldeten sich drei interessierte Kapitalanleger aus der Gemeinde, Wohnungen kaufen und zu moderaten Preisen vermieten zu wollen. Dabei zahlen die jetzigen Mieter sieben Euro pro Quadratmeter – die regionale Durchschnittsmiete bei Neubauten liegt bei acht Euro fünfzig, Tendenz steigend. Dazu kommen geringe Nebenkosten, wovon alle Bewohner profitieren. Grund dafür ist der gute Energiestandard des Gebäudes sowie eine gemeinsame Holzpelletheizung.

Mehrere Generationen unter einem Dach, darin steckt ein großes Potenzial für zukünftiges bezahlbares Wohnen im Umfeld großer Städte und Metropolen. Der Wohnhof Gutach bietet über vier Etagen Familienmaisonetten mit Gartenanteil, barrierefreie Wohnungen und Galeriewohnungen, die kostentechnisch unter dem regionalen Durchschnitt für Eigentum und Miete liegen. Dafür führte die RegioWerk GmbH Bauherren im Rahmen einer moderierten Baugruppe zusammen. Sie präsentierte ihnen ein geplantes und durchkalkuliertes Wohnprojekt, bei dem unter anderem die optimierte Zusammenarbeit mit dem Bauteam nachhaltigen Einfluss auf die Umsetzungskosten hatte.

Faktenlage

Wohnhof in Gutach

  • Fertigstellung: 2015
  • Geschosswohnungsbau als Mehrgenerationenhaus
  • 5 Familienmaisonetten mit Gartenanteil (Erdgeschoss), 3 barrierefreie Wohnungen (1. Etage) und 3 Galeriewohnungen (Dachgeschoss)
  • Wohnfläche insgesamt 1.232 Quadratmeter
  • KG 300 + 400: 1.478,82 Euro pro Quadratmeter
  • Miete: 7 Euro pro Quadratmiete (kalt)
  • Bauherr: Baugemeinschaft Wohnhof Gutach
  • Generalplanung und Baugruppenmoderation: RegioWerk GmbH, Gutach-Bleibach, Projektarchitektin: Kathrin Rödling, Bauleiter: Bernd Füchter