Magazin für zeitgemäßes Wohnen

"Bezahlbarer Wohnraum braucht die Vielfalt"

Die Bezahlbarkeit von Wohnraum ist eine existenzielle Frage für jeden Betroffenen. Und damit ein Problem von größter sozialer Sprengkraft. Dabei sind steigende Herstellkosten sicher eine Facette des Problems. Sehr viel dramatischer wirkt sich das geringe Angebot bei stark wachsender Nachfrage auf den Marktpreis des Wohnens aus: geradezu spekulativ hohe Grundstücks- und Mietpreise in weiten Teilen des Landes.

„Der Markt“ ist auf dem sozialen Auge blind. Wir alle – Architekten, Stadtplaner, Bauwirtschaft, Immobilienwirtschaft, aber auch Kommunen und ganz besonders die Landespolitik – sind deshalb in der Verantwortung, der Marktblindheit ein Konzept „Zukunft Wohnungsbau“, einen spezifisch baden-württembergischen Weg, entgegenzusetzen.

Auch wenn es Vieles einfacher machen würde – es wird sie nicht geben, diese eine Lösung, die Bauen und Wohnen ab sofort bezahlbar macht. Zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen der einzelnen Städte und Gemeinden. Und zu verschieden die Ansprüche der Bewohnerinnen und Bewohner.

Lösungen für Wohnraumproblematik

Wie so oft, liegt in der Herausforderung eine Chance. Diese heißt für mich Vielfalt. Denn die Ursachen der Wohnungsknappheit und mögliche Lösungsansätze sind so vielfältig wie das Land. Wie KONZEPT zeigt, gibt es zahlreiche Wege, wie Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, Architektinnen und Architekten die bestehende Wohnraumproblematik lösen. Eine wichtige Erkenntnis dazu gleich vorweg: Es müssen nicht immer ganz neue Ideen sein, die zum Ziel führen. Viele der Herangehensweisen erscheinen durchaus naheliegend. Doch ist es die Kunst, sie richtig einzusetzen, um die Kosten fürs Bauen und Wohnen im Rahmen zu halten.

Der „baden-württembergische Weg“ wird vielfältige Konzepte der unterschiedlichen, aber in aller Regel sehr starken Kommunen im Land unterstützen müssen. Wie das gehen kann, muss sicher diskutiert werden. Was aber nicht zu diskutieren ist: In Baden- Württemberg besteht eine erhebliche Lücke zwischen notwendigem und angebotenem Wohnraum (siehe Prognos-Studie). Und die Problematik ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, wie die Zahl zu Beginn dieser Ausgabe zeigt. So können sich zwei Drittel aller Steuerzahlenden in Baden-Württemberg derzeit keinen adäquaten Wohnraum mehr leisten.

Wir können und wollen Ihnen mit unserer KONZEPTReihe keine fertigen Lösungen anbieten. Ich wünsche mir aber, dass die Arbeitshefte zu Ihrer Inspiration beitragen und einen Beitrag leisten, zukünftig wieder mehr bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können. Überall da, wo er benötigt wird.

Markus Müller
Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg