Magazin für zeitgemäßes Wohnen

2.998 weniger Sozialwohnungen

Um diese Anzahl reduziert sich 2017 der Bestand an Sozialwohnungen in Baden-Württemberg, da die jeweiligen Bindungsfristen ablaufen. Auf diese Art sind bereits 2015 und 2016 je 2.900 Wohnungen für Haushalte, die sich nicht aus eigener Kraft mit angemessenem Wohnraum versorgen können, weggefallen.

"Der Bedarf an Sozialwohnungen nimmt jedoch besonders in den Ballungsgebieten angesichts steigender Mieten zu und wird auch durch die hohe Zahl von Zuwanderern und Flüchtlingen absehbar weiter zunehmen", schreibt die Bundesregierung in ihrer Drucksache 18/11403 "Sozialer Wohnbau in Deutschland – Entwicklung, Bestand, Perspektiven" vom 08.03.2017, der auch die aktuellen Zahlen entnommen sind.

Der großen Wohnungsnot in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg begegnete die damalige Bundesregierung 1950 mit der Verabschiebung des Ersten Wohnungsbaugesetzes (I. WoBauG) und intervenierte damit massiv auf der Angebotsseite des Wohnungsmarkts. Im Rahmen dieses Gesetzes finanzierte der Bund innerhalb eines Jahrzehnts den Bau von insgesamt 3,3 Millionen Wohnungen.

Neben der Eigentumsförderung war der soziale Wohnungsbau, inklusive der verschiedenen Investitionsprogramme, über Jahrzehnte die zweite Säule der Objektförderung. Bemängelt wurde bald, dass nicht sichergestellt werden konnte, dass Menschen, deren Einkommenssituation sich verbessert hatte, den geförderten Wohnraum aufgaben. Anrecht auf eine Sozialwohnung haben nur Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein. Die Mietpreisbindung ist gekoppelt an Fördermittel und Darlehen und läuft 10 bis 30 Jahre. „Letztlich unterstützte der Soziale Wohnungsbau mit seiner auf bestimmte Zielgruppen fokussierten Konzeption auch die innerstädtische Segregation (das heißt, die räumliche Trennung sozialer Gruppen) und schuf neue‚ soziale Brennpunkte.“ (Quelle: Wohnungsbaupolitik seit 1945, Björn Egner, Bundeszentrale für politische Bildung, APUZ 20-21/2014)

Wohnraum als knappes Gut

Aktuell stellt eine anders gelagerte Situation Bund, Länder und Kommunen vor große Herausforderungen, denn es klafft eine immer größer werdende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.

Gründe dafür liegen bei den bereits genannten Wohnungen, die aus der Mietpreisbindung fallen. Darüber hinaus ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten insgesamt weniger gebaut worden. In Folge dessen steigen die Mieten und immer mehr Menschen finden keinen bezahlbaren Wohnraum. Betroffen sind Ballungszentren, aber auch ländliche Gegenden.

Orientiert man sich an der aktuellen Einkommensgrenze des Förderprogramms Wohnungsbau, fällt auf, dass neben besonders einkommensschwachen Haushalten auch die Mittelschicht zunehmend betroffen ist. Dazu zählen Haushalte mit einem Bruttoeinkommen von 47.600 Euro für zwei Personen, 56.600 Euro für drei und 65.600 Euro für vier Personen.