Magazin für zeitgemäßes Wohnen

"Die 'Zukunftsstadt' gestalten"

Wachsende Bevölkerungszahlen, eine zunehmende Verkleinerung der Haushalte und steigende Wohnflächenansprüche lassen die Wohnungsfrage in vielen Städten und Gemeinden zur Frage ihrer Zukunftsfähigkeit werden. Für Konstanz stellt zusätzlich auch die geografische Lage der Stadt eine besondere Herausforderung dar: umgeben von Wasser, geschützten Flächen und der Grenze zur Schweiz. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ galt es, Lösungen zu entwickeln.

Neue Maßstäbe für die Entwicklung nachhaltiger und flächeneffizienter Quartiere

Die zentrale Prämisse unseres Projekts war von Beginn an, dass Veränderungen nur möglich sind, wenn sie von den Bürgern mitgestaltet werden. Zukunftsfähige und nachhaltige Quartiere können nur entwickelt werden, wenn sie Antworten geben auf die Wohnbedürfnisse der Konstanzerinnen und Konstanzer. Ein wichtiger Schritt in dem gesamten Entwicklungsprozess bildete ein international besetztes Symposium im Dezember 2015. Wissenschaftler und Experten beschäftigten sich in Vorträgen mit verschiedenen Bereichen der Stadtentwicklung und über 350 Konstanzerinnen und Konstanzer setzten sich mit der Frage auseinander „Wie wollen und können wir im Jahr 2030 miteinander wohnen und leben?“ Auf der Grundlage der in über 80 Arbeitsgruppen entwickelten Visionen kristallisierte sich als Thema der Stadtentwicklung heraus: Smart wachsen – Qualität statt Quadratmeter. Ein wesentlicherSchlüssel für die Zukunft liegt in der Reduzierungder Pro-Kopf-Wohnfläche, die stetig wächst und alle Nachhaltigkeitsbemühungen schmälert.

Die zweite Phase des Projekts „Zukunftsstadt“, die 2016 begann, hatte das Ziel, das zwei Hektar große Gebiet Christiani-Wiesen als Modellquartier für eine nachhaltige Stadtplanung zu entwickeln. Hier wurden die Bürgerinnen und Bürger noch stärker involviert. Im größten Studienprojekt, seit es die Hochschulen gibt, bearbeiteten zunächst verschiedene Studiengänge die Frage des Flächenverbrauchs in 19 Themenbereichen und diskutierten darüber mit der Verwaltung und den Bürgerinnen und Bürgern. In einer großen Nachhaltigkeitskonferenz der Hochschulen fanden moderierte Workshops, Gespräche und Diskussionen statt zum Thema „Quartiere der Zukunft“.

Smart wachsen – Qualität statt Quadratmeter.

Wie soll die Zukunft des Wohnens aussehen? Nicht „weniger ist mehr“, sondern „mehr durch weniger“ lautet die Devise.

Wie soll die Zukunft des Wohnens aussehen? Nicht „weniger ist mehr“, sondern „mehr durch weniger“ lautet die Devise.

Ein wesentlicher Schlüssel für die Zukunft liegt in der Reduzierung der Pro-Kopf-Wohnfläche, die stetig wächst und alle Nachhaltigkeitsbemühungen schmälert.

Digitale Begleitung

Ein Meilenstein in dem Prozess bildete das digitale Planungswiki „LexiKON Smart Wachsen“, in dem alle maßgeblichen Ergebnisse zusammengetragen wurden. Das Planungswiki bildete einen „Werkzeugkoffer“ der nachhaltigen Planung – mit praktischen Konsequenzen.

Auf seiner Grundlage erarbeiteten europäische Planerteams, wie Feld72 Architekten aus Wien, Pool-Architekten aus Zürich und bogevischs büro aus München erste städtebauliche Konzepte für die Christiani-Wiesen als „Reallabor“. Dabei konnten die Bürger den Planerteams zuschauen und ihr Wissen einfließen lassen – als Teilnehmer einer Planerwerkstatt, in der die theoretisch erarbeiteten Rahmenbedingungen des Planungswiki in ganzheitliche städtebauliche Konzepte umgesetzt wurden.

Mit den Bürgern, für die Bürger

Dass dieser Prozess auch außerhalb von Konstanz positiv wahrgenommen wurde, zeigte sich unter anderem in der erfreulichen Meldung, dass die Regionalgruppe Bodensee von Cradle-to-Cradle e.V. im Juli 2018 den Preis der „Regionalen Netzwerke Nachhaltigkeitsstrategien (RENN)“ für ihr Engagement für die Akteursgruppen- und Planerwerkstatt gewann.

Ein Novum bildete schließlich die öffentliche Jurysitzung, in der die Projekte beraten und diskutiert wurden. Um höchstmögliche Transparenz zu gewährleisten, wurde in die Entscheidungsfindung neben den Sach- und Fachjuroren auch die Bürgerschaft eingebunden. Gemeinsam konnte ein innovativer Entwurf für das Reallabor Christiani-Wiesen gefunden werden, mit dem gleichzeitig neue Maßstäbe für die Entwicklung nachhaltiger und flächeneffizienter Konstanzer Quartiere gesetzt wurden: auf den Grundlagen von höchster Transparenz, Offenheit und Innovationskraft. Mit den Bürgern, für die Bürger.

Karl Langensteiner-Schönborn, Bürgermeister Konstanz, November 2018