Magazin für zeitgemäßes Wohnen

Wohnbaupolitik ist Daseinsvorsorge

Wie geht modernes und bezahlbares Wohnen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Reihe „KONZEPT – Arbeitshefte für zeitgemäßes Wohnen“ jetzt seit sechs Ausgaben. Und sie wird es auch weiterhin tun: wenn auch nicht mehr als Printprodukt, sondern – ganz zeitgemäß – hier als Online-Magazin.

Zum Abschluss und Neustart zieht Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg und Herausgeber von KONZEPT, ein Fazit: zu den Errungenschaften des Magazins und zum aktuellen Stand der Diskussion um den richtigen Umgang mit zu knappem Wohnraum.

Herr Müller, die aktuelle Ausgabe von KONZEPT ist die letzte gedruckte. Was konnten Sie mit dem Magazin bisher erreichen?

Aus meiner Sicht haben wir dazu beigetragen, die Diskussion um neuen Wohnraum einer größeren Zahl von Akteuren näherzubringen. Wohnbau ist Daseinsvorsorge und damit eine politische Aufgabe. Es geht nicht nur um bauwirtschaftliche Dimensionen und statistische Größen. Vielen ist klar geworden, dass der Wohnraummangel eine erhebliche soziale Sprengkraft hat. Die gesellschaftlichen und damit langfristigen Perspektiven für ein gutes Zusammenleben müssen heute im Wohnungsbau mitgedacht werden. Hier hat KONZEPT wertvollen Input geliefert. Genauso wie zu der Frage, wie sich zeitgemäßes Wohnen konkret umsetzen lässt.

Sind die langfristigen Perspektiven, die Sie ansprechen, auch der Grund für das Schwerpunktthema dieser Ausgabe?

Ja, strategische Stadtentwicklung ist ein elementarer Bestandteil der Diskussion. Es ist zu kurz gesprungen, nur möglichst schnell möglichst viel Wohnraum schaffen zu wollen, da wo gerade Platz ist. Das wird den Bedürfnissen unserer Zeit in keiner Weise gerecht. Es gilt vielmehr weiter vorauszudenken. Kommunen und Gemeinderäte tragen dabei große Verantwortung – und dies nicht nur für eine Legislaturperiode. Zeitgemäße Stadtentwicklung muss den demografischen Wandel berücksichtigen und darf Umweltstandards nicht vergessen.

Wie kann das gelingen?

Wir brauchen einen entlang von Nachbarschaftsorientierung, Preissensibilität, Ressourcenschonung und vielem mehr programmierten Wohnungsbau. Baden-Württemberg zählt zu den wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Wir müssen die Innovationskraft unseres Landes auch im Wohnungsbau zum Tragen bringen. Für die IBA 2027 StadtRegion Stuttgart werden aktuelle visionäre Projekte gesucht. Wir hoffen sehr, damit die dringend erforderlichen Impulse für den Wohnungsbau im Südwesten zu erhalten.

Was sehen Sie als Kammer für die Zukunft des Wohnens?

Die Gesellschaft lebt individueller, wird älter und ist preissensibler – darauf müssen Wohnungsangebote reagieren. Wir müssen verstärkt unserem Anspruch als innovatives Bundesland gerecht werden und neue Antworten auf den Wandel formulieren. Dazu gehört beispielsweise, Wohnungsbau im städtebaulichen Zusammenhang zu denken, zur Belebung von Stadtmitten stärker zu nutzen. So können neue Nachbarschaftsgefüge entstehen, der Einzelhandel könnte sich stabilisieren. Wir brauchen Modelle zur Kostendämpfung, die bei den Grundstückspreisen ansetzen, und Modelle der Querfinanzierung innerhalb von Projekten.

Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, November 2018