Magazin für zeitgemäßes Wohnen

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Dichtelust vs. Dichtestress

Ausstellung im Schweizer Architekturmuseum in Basel

Nicht nur bei uns, auch bei unseren Nachbarn in der Schweiz ist der Begriff der Dichte negativ besetzt. 2014 wurde der Begriff „Dichtestress“ gar Unwort des Jahres. Eine laufende Ausstellung im Schweizer Architekturmuseum in Basel setzt sich noch bis 5. Mai 2019 mit solch irrationaler Haltung auseinander und veranschaulicht, was Dichte eigentlich bedeutet, nämlich die maßvolle und kompakte Ausnutzung der bebaubaren Flächen. Sie untersucht unterschiedliche Formen historischer Dichte und zeitgenössischer Nachverdichtung und macht klar, wie Dichte zur Lebensqualität beiträgt: Sie schafft für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Umwelt einen konkreten Mehrwert. Doch ob bei interessierten Laien sogleich Dichtelust entsteht nach dem Besuch der Ausstellung, präsentiert im Übrigen auf wenig Fläche?

Spannend im ersten Raum sind die Piktogramme, die die Aspekte der Diskussion in den Städten einfach und prägnant darstellen; spannend ist aber auch die beinahe neun Quadratmeter große Liegefläche, auf der man einzeln thronen oder sich mit mehreren tummeln kann. Eng stehen im zweiten Raum Modelle mehr oder weniger bekannter Nachverdichtungsprojekte aus der Schweiz und veranschaulichen die unterschiedlichen Herangehensweisen.  Im dritten und vierten Raum fokussiert die Ausstellung Basel selbst. Aufschlussreich ist am Ende die Darstellung historischer Stadtbilder belegt mit Begriffen wie Belegungsdichte, Nutzungsdichte, soziale Dichte, Angebotsdichte, funktionale Dichte usw. – ein geschickter Kniff, um zu verdeutlichen, dass es schon früher eng bzw. enger zu ging in den Städten, aber dass „Dichte“ sich dort eben nicht nur als bauliche Dichte wie heute überwiegend manifestierte, sondern alle Lebensbereiche der Stadt umfasste. Und schließlich nicht ohne den Verweis darauf, dass wir uns als Touristen auch heute dort im Urlaub gerne aufhalten – aber eben nur dann …

Es braucht also noch mehr solche Ausstellungen und noch sehr viel mehr Vermittlungsarbeit, um in der Bevölkerung gegen das Unbehagen bei Bauprojekte vor der eigenen Nase anzugehen; geschweige denn  „Dichtstress“ in „Dichtelust“ umzuwandeln …

Zur Ausstellung erschien der gleichnamige Katalog, herausgegeben vom Kurator Andreas Kofler, Christoph Merian Verlag, Basel, 2018, 224 Seiten, ca. 200 meist farbige Abbildungen, 17 x 24 cm, broschiert, ISBN 978-3-85616-882-7, EUR 29,00

Veranstaltungsinfo

Dichtelust. Formen des urbanen Zusammenlebens in der Schweiz Ausstellung in Schweizer Architekturmuseum in Basel noch bis zum 5. Mai 2019


Ausstellung zeitgemäß. Wohnen in Baden-Württemberg

  • vom 26. März bis 3. April in der Mediathek in Bühl, Platz Vilafranca 3a (Öffnungszeiten s. hier)
  • vom 11. April bis 12. Mai in der Galerie FÜRWAHR in Walldürn
  • vom 22. Mai bis 19. Juni in Pforzheim
  • vom 26. Juni bis 7. Juli im Rahmen der Remstal Gartenschau im Bürgerhaus in Waiblingen
  • vom 10. Juli bis 2. August im Rahmen der Remstal Gartenschau in Kernen
  • vom 7. August bis 6. Oktober auf der BUGA in Heilbronn im J4 in der Stadtausstellung
  • vom 9. bis 31. Oktober in Straßburg

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