Magazin für zeitgemäßes Wohnen

Karlsruhe: Aufwertung des Rintheimer Feldes

Kurz & bündig

Mit dem Rintheimer Feld haben die VOLKSWOHNUNG und die Stadt Karlsruhe ein Quartier aufgewertet, das vorher eher durch seine Defizite im städtebaulichen und sozialstrukturellen Bereich aufgefallen ist. Im Rahmen eines rund zehnjährigen Projekts wurden infrastrukturelle Mängel behoben, zudem sind neben den Wohnungen vor allem die Frei- und Außenflächen zeitgemäß umgestaltet worden. Dank der umfassenden Modernisierungen konnten Treffpunkte und Rückzugsorte geschaffen werden, die das Nachbarschaftsgefühl stärken – und die Identifikation mit dem Stadtteil erhöhen. Finanziert wurde das Projekt unter anderem über das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ vom Bund und dem Land Baden-Württemberg.

Nachhaltige Stadtteilentwicklung

Als typische Großwohnsiedlung aus den 1950er- bis 1970erJahren entsprach das Rintheimer Feld in Karlsruhe nicht länger den Anforderungen zeitgemäßen Wohnens. Deswegen hat die VOLKSWOHNUNG GmbH als Eigentümerin zahlreicher Wohngebäude vor Ort bereits 2008 eine ganzheitliche Quartiersentwicklung angestoßen. Der Fokus des Projekts lag dabei auf neuem und saniertem Wohnraum sowie auf einer Neugestaltung der Freiflächen.

Basierend auf umfangreichen Bestandsanalysen entstand vor knapp zehn Jahren ein Zehn-Punkte-Programm, das die energetische Sanierung der Häuser, die Schaffung von neuem Wohnraum und die Aufwertung der Außenbereiche im Sinne der Anwohner vorsah.

Darüber hinaus hat das städtische Immobilienunternehmen VOLKSWOHNUNG zahlreiche Angebote geschaffen, die das Miteinander der Bewohner stärken. Dies war dringend erforderlich, da neben städtebaulichen und freiraumplanerischen Aspekten auch sozialstrukturelle Mängel im Rintheimer Feld vorlagen.

Um dem entgegenzuwirken und ein Projekt solchen Ausmaßes erfolgreich umzusetzen, haben die VOLKSWOHNUNG und die Stadt Karlsruhe eng zusammengearbeitet. Zudem wurden die Bewohner des Rintheimer Feldes zu einem wesentlichen Teil der Planungen: Über Bürger-Workshops, Stadtteilkonferenzen und Mieterversammlungen konnten sie ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen direkt einbringen.

Das daraus entstandene integrierte Quartierskonzept – das auch die Freiraumplanung maßgeblich berücksichtigt – wurde daraufhin für die Beantragung von Fördergeldern eingereicht. „Das Rintheimer Feld ist die erste Großsiedlung in Karlsruhe, die als Sanierungsgebiet in ein Bund-Länderprogramm aufgenommen wurde. Seit 2010 gehört sie zum Städtebauförderprogramm ‚Soziale Stadt’. Damit stehen im Rintheimer Feld Gelder von Bund und Land sowie der Stadt Karlsruhe in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro für städtebauliche und soziale sowie für private Modernisierungsmaßnahmen zur Verfügung“, sagt Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, Leiterin des Stadtplanungsamtes Karlsruhe.

Verbinden statt trennen

Bereits zum Start der Konzeptphase lag der Fokus beim Rintheimer Feld auf dem „großen Ganzen“. Es sollten nicht einzelne Stellen ausgebessert, sondern das Quartier an sich aufgewertet und besser an seine Umgebung angebunden werden. So gibt es heute zahlreiche neue Angebote, die das soziale Miteinander fördern. Außerdem konnte die Infrastruktur verbessert werden und auch im Bereich der Verkehrsführung wurde vieles optimiert. Die Stadt Karlsruhe sanierte beispielsweise die Hauptverkehrsstraße zwischen den Quartieren AltRintheim und Rintheimer Feld. Galt sie bisher eher als Trennlinie, wird sie jetzt als gemeinsame Verkehrsachse wahrgenommen.

Ob Stadtfest, Fitness für Senioren, Mieterservice-Büro oder Familienzentrum: Im Rintheimer Feld gibt es "drinnen und draußen" zahlreiche Angebote, die Nachbarschaft zu fördern.

Ob Stadtfest, Fitness für Senioren, Mieterservice-Büro oder Familienzentrum: Im Rintheimer Feld gibt es "drinnen und draußen" zahlreiche Angebote, die Nachbarschaft zu fördern.

„Dank der neuen Außenflächen gehen die Menschen bei uns in der Nachbarschaft mehr aufeinander zu. Sie rücken zusammen, denn es gibt für alle Generationen passende Angebote. Viele davon sind auch auf Anregung der Bewohner entstanden. Ob Spielplatz, Spazierwege oder Trimm-Dich-Pfad für Senioren – es bieten sich heute vielmehr Treffpunkte als vorher.“

Steffi Attar, Bewohnerin Rintheimer Feld in Karlsruhe

Wissen zum Mitnehmen

Eine wichtige Erkenntnis aus den Bürgerbeteiligungen in Karlsruhe ist, die Bewohner nicht nur einzubinden, sondern sie auch frühzeitig zu informieren, was machbar ist und was nicht. Zudem sollte allen Beteiligten stets klar sein, dass eine Sanierung nicht ohne temporäre oder auch andauernde Beschränkung beziehungsweise Änderung funktioniert: So kann mehr Grün beispielsweise bedeuten, dass Stellplätze zugunsten von Bäumen reduziert werden. Darüber hinaus sollten Projekte, die direkt nach der Beteiligungsphase geplant werden, auch zeitnah umgesetzt werden. Ein möglichst frühes, sichtbares Startprojekt vermittelt für alle Quartiersbewohner erkennbar den Beginn der Sanierung.

Zeitgemäßes Wohnen

Die VOLKSWOHNUNG hat ihrerseits rund 85 Millionen Euro für die Modernisierungsmaßnahmen, Neubauten und Außenanlagen investiert. Dabei hatte sie stets im Blick, Wohn- und Außenbereiche gleichberechtigt zu sanieren – was auch dem Wunsch der Bewohner entsprach, wie die Bürgerbeteiligungen gezeigt haben.

Klar war von Beginn an ebenfalls, dass es sich um einen langen und intensiven Prozess handeln würde. Allein die Dimension des Quartiers legte dies nahe, denn es entspricht einer Fläche von rund 13 Hektar. Darauf stehen 35 Gebäude (30 davon im Besitz der VOLKSWOHNUNG), in denen rund 2.500 Bewohner leben.

Dazu Reiner Kuklinski, ehemaliger Geschäftsführer der Volkswohnung GmbH:

Weitere Nachverdichtung

„Gegenwärtig wird ein großes Neubauprojekt an der Forststraße fertiggestellt, das eine Lücke im Süden des Wohngebiets schließt. Das Projekt, entworfen von ‚Ackermann+Raff‘, umfasst 114 Mietwohnungen – 60 Prozent davon sind öffentlich gefördert –, ein Nahversorgungszentrum und eine Tiefgarage. Baubeginn war Juni 2015, die Wohnungen sind ab Juli/August 2017 bezugsfertig. Darüber hinaus gibt es Überlegungen für eine Neubebauung des Staudenplatzes. Die ursprüngliche Quartiersmitte befindet sich in einem schlechten Zustand. In diesem Bereich und der nördlich angrenzenden Grünfläche sieht der Entwurf von ‚LEHEN drei‘ mehrere Gebäude mit rund 120 Wohneinheiten und Sondernutzungen im Erdgeschoss vor.“

Die neugestalteten Außenanlagen werten das Quartier insgesamt deutlich auf.

Gemischte Bewohnerstruktur

„Durch die Ergänzung neuer Wohnungstypen inklusive attraktiver Ausstattung sind die Neubauwohnungen an der Forststraße für verschiedene Zielgruppen interessant. Und der CAP-Markt einschließlich des Vorplatzes stellt ein Bindeglied zum angrenzenden Alt-Rintheim dar – er bricht die isolierte Lage des Rintheimer Feldes etwas auf. Die neugestalteten Außenanlagen werten das Quartier insgesamt deutlich auf und tragen zu einer stärkeren Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner bei.“

Faktenlage

Rintheimer Feld, Karlsruhe

  • Rund zehnjährige Sanierungsarbeiten im bewohnten Quartier
  • 13 Hektar mit 35 Gebäuden und rund 2.500 Bewohnern
  • Behebung städtebaulicher, freiraumplanerischer und sozialstruktureller Defizite
  • Besonderheiten:
    • Gleichberechtigte Aufwertung von Wohn- und Außenräumen
    • Mit-Finanzierung über Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ von Bund und Land Baden-Württem- berg; Förderrahmen: 3,8 Millionen Euro
    • Etablierung zahlreicher Maßnahmen zur Förderung eines aktiven Miteinanders der Bewohner
  • Bauherr: VOLKSWOHNUNG GmbH, Karlsruhe und Stadt Karlsruhe
  • Architekten Gebäudesanierung: VOLKSWOHNUNG GmbH, Thomas Fabrinsky (Freier Architekt BDA)
  • Architekten Nachverdichtung: Ackermann + Raff, Stuttgart, mit Planstatt Senner (Forststraße); LEHEN drei Architektur Stadtplanung, Stuttgart (Staudenplatz) • Landschaftsarchitekten: Elke Ukas Landschaftsarchitekten bdla, Karlsruhe
  • Ausschreibung über die Durchführung von Planungskonkurrenzen
  • Auszeichnung der VOLKSWOHNUNG mit Goldmedaille im 2009 ausgelobten Bundeswettbewerb „Energetische Sanierungen von Großwohnsiedlungen“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Soziale Maßnahmen zur Förderung des Miteinanders im Rintheimer Feld (Auswahl)

  • Kinder- und Jugendhaus Rintheim
  • Spielecontainer - Seniorenstützpunkt, Seniorennachmittag, Wohncafé
  • Entwicklung der Heinrich-Köhler-Grundschule zur Ganztagsschule
  • Gemeinschaftsraum der Volkswohnung
  • Mieter-Service-Büro, Mieterbeirat
  • Startpunkt-Familienzentrum der Diakonie
  • Zahlreiche Aktionen wie Stadtteilfeste, Spielplatzfeste, Kürbisfest, Winterleuchten etc.
  • Viele niederschwellige, nicht dauerhaft etablierte Angebote: u. a. Internationaler Frauentreff, Tanzsport für Mädchen und Frauen, Psychologische Beratung für Frauen in Deutsch/Arabisch, Theaterprojekte, Aktivierung von Migrantinnen, Youtube-Videowerkstatt

Angebote, die der Gemeinschaft dienen

Um eine fundierte Basis für die umfangreiche Neugestaltung des Rintheimer Feldes schaffen zu können, hat die VOLKSWOHNUNG bereits 2008 das Büro Elke Ukas Landschaftsarchitekten bdla eingebunden. Dabei hatten die externen Experten die Aufgabe, einen Freiflächenrahmenplan für das gesamte Quartier zu erstellen.

Interview mit Elke Ukas, Landschaftsarchitektin

Mit welcher Aufgabe sind Sie in das Sanierungsprojekt gestartet?

Die wesentlichen Fragen, die wir mit unserem Konzept beantworten sollten, waren: Welche Flächen sollen offen bleiben und wie können diese in ihrer Qualität verbessert werden? Dafür haben wir 2009 umfangreiche Bedarfsanalysen gestartet, die alle Bereiche – von der Qualität der Freianlagen über die Baumstruktur bis hin zu Spielbereichen und Parkplätzen – abgedeckt haben. In den darauffolgenden Jahren sind die Erkenntnisse aus diesen Analysen in die Gespräche und Planungen mit der VOLKSWOHNUNG, dem Sanierungsbeirat der Stadt Karlsruhe sowie in die Informationsveranstaltungen für die Bürger eingeflossen.

Was ist das Besondere an dem Projekt im Rintheimer Feld? Die Größe?

Der Umfang ist mit Sicherheit nicht unwesentlich. Vor allem aber war und ist der prozessuale Charakter äußerst spannend und für die Planungen sehr anspruchsvoll. Natürlich haben wir zu Beginn einen Masterplan entwickelt, aber im Laufe der Jahre mussten wir flexibel auf das reagieren, was sich baulich entwickelt hat und was sich als belastbar in den bereits erstellten Teilabschnitten der Freiräume bewährt hat.

Konnten Sie dabei allen Wünschen gerecht werden?

Es gibt im Rintheimer Feld viele Interessengruppen, die gehört worden sind, und die sich unterschiedliche Dinge gewünscht haben. Die einen wollten Wasserspielplätze und Gemeinschaftsgärten, die anderen mehr Stellplätze. Die meisten Wünsche konnten realisiert werden. Wesentliche Qualität im Quartier sind aber gerade die autofreien Zwischenräume für ein Wohnen mit hoher Lebensqualität. Wobei uns oft die Aufgabe zufiel, sowohl das „Machbare“ als auch Kompromisslösungen aufzuzeigen.

Was waren weitere Herausforderungen?

Eine Besonderheit im Projekt war es, dass sämtliche Sanierungsmaßnahmen der Freiflächen im bewohnten Quartier umgesetzt worden sind. Wir mussten bei jeder Baustelle darauf achten, dass trotz zahlreicher Anwohner und einem dichten Wegenetz alle Bewohner gut zu ihren Eingängen kamen, dass der Müll reibungslos abtransportiert werden konnte und Rettungsfahrzeuge jederzeit und überall Zugang hatten. Mit der Planung haben wir zudem auf neue Baufelder beispielsweise im Süden des Rintheimer Feldes reagiert, die durch weitere Wettbewerbsverfahren der VOLKSWOHNUNG entwickelt wurden.

Welche konkreten Maßnahmen sind für die Außenräume umgesetzt worden?

Insgesamt haben wir die Freiflächen in ihrer Qualität deutlich steigern und große Flächen entsiegeln können. Immer mit Blick auf Angebote, die der Gemeinschaft und allen Generationen dienen. Ein wesentlicher Teil unseres Konzepts sind dabei zwei Hauptwegeachsen, an denen wichtige soziale Strukturen wie ein „Betreutes Wohnen“ für Senioren sowie ein Kindergarten partizipieren. Wir haben sämtliche Wege barrierefrei gemacht, teilweise zu kleinen Plätzen erweitert, das Beleuchtungskonzept neu aufgesetzt und an wichtigen Verknüpfungspunkten Parkbänke und Kinderspielplätze installiert. Zudem wurden die vorhandenen Tiefgaragen im Gelände bauseitig saniert, so dass intensive Grünflächen darauf weiterhin möglich wurden.

Welches Feedback bekommen Sie von den Bewohnern?

Erwartet hatte ich ehrlich gesagt einen gewissen Unmut, weil das Quartier lange eine Art bewohnte Baustelle gewesen ist. Doch ich bin überrascht, wie viele positive Rückmeldungen wir bekommen. Man kann richtig sehen, dass sich die Menschen über die Erneuerungen freuen. Das neue freundliche und offene Wohnumfeld bringt sie nach draußen in die Anlagen.