Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Foto: Werner Huthmacher, Berlin

Mission erfüllt: Kreative Planung für mehr Wohnqualität

Genau 50 Jahre nach der ersten Mondlandung ist auch Apollo 19 nach vier Jahren erfolgreich angekommen. Allerdings nicht auf dem fernen Himmelskörper, sondern in Heilbronn. Die Baugemeinschaft ist Teil des neuen Stadtquartiers „Neckarbogen“ auf der Bundesgartenschau – und ein gutes Beispiel dafür, dass auch der Weg zum Ziel eine entscheidende Rolle spielt.

Kurz & bündig

Die Baugemeinschaft Apollo 19 ist ein Beispiel für ein sehr erfolgreiches, privates Bauprojekt. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die 19 Mitglieder zusammengefunden, geplant und ihre individuellen Wohnvorstellungen umgesetzt. Den Rahmen bildet der „Neckarbogen“ in Heilbronn, das neue Stadtquartier, das inmitten der Bundesgartenschau 2019 entstanden ist. Das Erfolgskonzept von Apollo 19: Ein Gebäude mit hohem Öko-Standard und Wohnungen, die eine flexible Nutzung zulassen – abhängig vom Alter und der Lebenssituation seiner Bewohner.

„Die Erfahrung, wie ein basisdemokratischer Prozess wirklich funktioniert, ist sehr beeindruckend gewesen“, sagt Robert Kömmet im Rückblick auf den Planungs- und Bauprozess von Apollo 19. „Wir haben in jedem Schritt unsere Ansichten zusammenfassen, bewerten und darüber abstimmen müssen. Das fordert von jedem Beteiligten Kraft und Kompromissbereitschaft.“

„Schlussendlich haben wir unser Bauprojekt aber im Spätsommer 2014 starten können und sind im August 2018 in unsere Wohnungen eingezogen. Diese überschaubare Zeitspanne hat uns alle nicht nur sehr gefreut, sondern auch darin bestätigt, dass unser Weg der richtige war“, ergänzt Ellen Schneider-Kohler. Eine Baugemeinschaft muss nicht in endlosen Diskussionen steckenbleiben. Ganz im Gegenteil: Apollo 19 hat sogar als erstes Projekt in der gesamten Stadtausstellung der Bundesgartenschau Richtfest gefeiert.

Die Mitglieder der Baugemeinschaft Apollo 19 haben sich im „Neckarbogen“ ihre persönliche Vorstellung vom Wohnen erfüllt. Die Idee war, „ein gutes Stück Urbanität in der Gemeinschaft zu gestalten“. (Foto: Werner Huthmacher, Berlin)

Foto: Werner Huthmacher, Berlin

Die Mitglieder der Baugemeinschaft Apollo 19 haben sich im „Neckarbogen“ ihre persönliche Vorstellung vom Wohnen erfüllt. Die Idee war, „ein gutes Stück Urbanität in der Gemeinschaft zu gestalten“. (Foto: Werner Huthmacher, Berlin)

Zur richtigen Zeit die richtige Idee gehabt

Robert Kömmet ist der Initiator und hat das Projekt entwickelt. Zusammen mit Ellen Schneider-Kohler bildet er das Geschäftsführer-Team der GbR. Die beiden sind die treibenden Kräfte hinter dem gemeinschaftlichen Bauvorhaben, beide Architekten und beide auch Bewohner einer der insgesamt 15 Wohnungen in Apollo 19. „Unser Glück war, dass die Stadt für den Neckarbogen mit einer möglichst großen Vielfalt an Investoren und späteren Bewohnern plante. Und dass das Vergabeverfahren nicht nach Preis, sondern nach Konzept entschieden wurde. Da konnten wir uns mit unseren Plänen durchsetzen“, so Kömmet.

Die Idee war, „ein gutes Stück Urbanität in der Gemeinschaft zu gestalten“. Entstanden ist daraus ein sechsgeschossiger Holz-Hybrid-Bau nach den Plänen von Motorlab Architekten aus Mannheim.

Das Gebäude hat einen hohen Öko-Standard. Außerdem sind nicht nur die Zugänge und gemeinschaftlich genutzten Räume barrierefrei, sondern auch alle Wohnungen. „In unserem Team gibt es einen Experten für Alternsforschung, der uns vieles erklärt hat“, sagt Ellen Schneider-Kohler. „Und das ist auch gleich einer der vielen Vorteile einer Baugemeinschaft: Jeder profitiert von jedem. Denn jeder kann oder weiß etwas anderes, was allen nutzt.“

Wichtige Gruppendynamik

Dazu gehören natürlich auch die Fachkenntnisse von Ellen Schneider-Kohler und Robert Kömmet als Architekten. Die beiden konnten die Gruppe und die Prozesse gut steuern, auch wenn in kritischen Situationen durchaus Unterstützung von außerhalb nötig war. Zum Beispiel in Form einer Mediatorin, die bei der Suche nach den richtigen Kompromissen mitgeholfen hat.

„Klar ist es manchmal hitzig und schwierig, aber über die vielen Treffen und Diskussionen findet die Gruppe auch gut zusammen“, sagt Ellen Schneider-Kohler. „Das ist wesentlich, denn auch wenn wir keine WG sind, wollen wir ja doch als Nachbarschaft gut und vertrauensvoll zusammenleben. Und das strahlt auch nach außen ab. Denn fühlen sie sich wohl, identifizieren sich die Bewohner nicht nur stark mit ihrer Wohnung, sondern auch mit ihrer gesamten Umgebung.“ Ein wichtiger Faktor für eine stabile Stadtplanung.

Mehr Vielfalt in der Planung

Worin sich Ellen Schneider-Kohler und Robert Kömmet von Beginn an einig sind: Der Schlüssel zu zukunftsfähigem und bezahlbarem Wohnen liegt im kreativen Umgang mit dem Grundriss. Es geht nicht um viele Quadratmeter. Es geht um die richtige Nutzung. Ein besonderer Clou ihrer Planungen: Es gibt sogenannte zuschaltbare Wohnungen, das sind eine große und eine kleine, die nebeneinanderliegen und bei Bedarf zusammengelegt werden können. Wenn nicht, dient eine der beiden möglicherweise als Mietobjekt. Je nachdem, was die eigene Lebenslage von der Wohnsituation fordert.

Verbunden damit ist auch der Appell an Investoren und Architekten: Nicht das bauen, was sich in der Vergangenheit am besten verkauft hat, sondern noch viel stärker nach den Bedürfnissen der zukünftigen Bewohner schauen. Denn aus Sicht von Ellen Schneider-Kohler und Robert Kömmet sind die Zeiten der Standardgrundrisse vorbei. „Wenn Wohnungen flexibel in der Nutzung gebaut werden, wird die Nachbarschaft bunt. Bunt und lebendig, genau das war auch unsere Mission.“

 

Der Name „Apollo 19“ ist Programm …

… denn er wurde ganz bewusst gewählt. Zum einen soll er dafür stehen, dass auch die Mitglieder der Baugemeinschaft Neuland betreten – wie die Raumfahrer der berühmten Mission Apollo 11 im Jahr 1969. Auf der anderen Seite sorgt er im Jubiläumsjahr der Mondlandung für Aufmerksamkeit. Und das ist wichtig, denn der Baugemeinschaft geht es darum, ihre Erfahrungen zu teilen und für ihre Wohnform zu werben.

„Der Schlüssel zu zukunftsfähigem und bezahlbarem Wohnen liegt im kreativen Umgang mit dem Grundriss“, sind Ellen Schneider-Kohler und Robert Kömmet – Architekten und Bewohner von Apollo 19 – überzeugt. (Foto: Werner Huthmacher, Berlin)

Foto: Werner Huthmacher, Berlin

„Der Schlüssel zu zukunftsfähigem und bezahlbarem Wohnen liegt im kreativen Umgang mit dem Grundriss“, sind Ellen Schneider-Kohler und Robert Kömmet – Architekten und Bewohner von Apollo 19 – überzeugt. (Foto: Werner Huthmacher, Berlin)

Faktenlage

Baugemeinschaft Apollo 19, Heilbronn

  • Eine von bisher zwei Baugemeinschaften im „Neckarbogen“, dem neuen Stadtquartier auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2019
  • Fertigstellung: August 2018
  • 15 Wohnungen zwischen 60 und 150 Quadratmetern; mit gemeinschaftlich genutzter Dachterrasse und gewerblicher Nutzung im Erdgeschoss
  • Besonderheiten:
    • Holz-Hybrid-Bau mit hoher Öko-Bilanz
    • Barrierefreiheit
    • Individuell gestaltete Grundrisse, die je nach Lebenslage eine flexible Nutzung der Wohnungen zulassen
  • Bauherr: Apollo 19
  • Architekten: Motorlab, Mannheim