Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Quelle: BMI

Wohnen auf dem Weg zum Luxusgut?

Jeder Mensch hat Anspruch darauf, in einer nachhaltigen, ökologisch verantwortungsbewussten Umwelt zu leben. Dazu zählt auch qualitätsvolle, sichere und bezahlbare Wohnungsversorgung. Sie hat maßgeblichen Einfluss auf die soziale Stabilität und das gesellschaftliche Miteinander. Auch wirkt sich Wohnqualität auf die Lebensqualität aus.

In einigen Gegenden ist es schwer, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Gerade für untere und mittlere Einkommensgruppen wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auf keinen Fall darf Wohnen zum Luxusgut werden, das sich immer weniger Menschen aus eigener Kraft leisten können.

Wir haben also Grund genug, dieser Entwicklung bewusst entgegenzutreten. Dabei geht es nicht nur darum, Rahmenbedingungen neu zu setzen für gutes und bezahlbares Wohnen. Beim Wohnungsbau geht es heutzutage um mehr: Wir sind ebenfalls gehalten, das energieeffiziente und das altersgerechte Wohnen und Bauen voranzubringen. Wir stehen vor einer gemeinschaftlichen Aufgabe, für die es keine Denkverbote geben sollte.

Aus Sicht des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat bedarf es einer Neuorientierung: Mit konventionellen Planungen der Vergangenheit und Gegenwart können wir nur bedingt diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Es gilt, über den Tellerrand hinauszuschauen, um neue Ideen zu entwickeln und diese in die Praxis zu bringen.

Schließlich soll das, was wir heute bauen, möglichst lange eine sinnvolle Nutzung erfahren. Dazu brauchen wir kreative Köpfe. Wir brauchen Planer, Unternehmen der Bauwirtschaft und Bauherren bzw. Gebäudenutzer, die sich gemeinsam der Herausforderung stellen, im Ergebnis etwas gehaltvolles, vernunftbegabtes und Schönes zu gestalten – und das in einem vernünftigen Kostenrahmen. Schließlich ist Voraussetzung für bezahlbares Wohnen das bezahlbare Bauen.

Einige Akteure haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Beispielsweise im Holzbau werden Wege gefunden, die zukunftsweisend sind. Gerade vor den Herausforderungen des Klima- und Umweltschutzes, aber auch des bezahlbaren Bauens kann der Baustoff Holz einen nicht unerheblichen Beitrag leisten.

Als nachwachsender Rohstoff weist Holz sehr geringe energiebedingte Aufwendungen in den Phasen Herstellung und Instandsetzung sowie End of Life auf. Infolge der sehr geringen grauen Energie besitzt Holz großes Potential für die Verbesserung der CO2-Bilanz des Lebenszyklus von Gebäuden. Gleichzeitig ist der Einsatz von Holz ein Beitrag zur Ressourcenschonung.

Aber der Baustoff Holz kann noch mehr! So bietet sich Holz beispielsweise für flexible Grundrisse an. Es eignet sich hervorragend für neue Gebäude- und Wohnkonzepte, die bereits bei der Planung eine später geänderte Nutzungsmöglichkeit ins Auge fassen. Auch bei Dachaufstockungen oder Umbauten ist Holz oft die erste Wahl – ein besonders wichtiger Aspekt, wenn es um das Bauen im Bestand geht.

Vor diesem Hintergrund begrüße ich ausdrücklich den Beschluss der Bauministerkonferenz die Musterbauordnung zu ändern, um das Bauen mit Holz in allen Gebäudeklassen zu ermöglichen und so eine weitere Voraussetzung für innovatives Bauen zu schaffen. Zudem arbeiten die Länder an einer neuen Holzbaurichtlinie.

Sie sehen: Nicht nur Planern, Bauwirtschaft und Eigentümern wird Flexibilität und Kreativität abverlangt. Auch die Politik und Verwaltung ist hier in der Pflicht, den Einsatz innovativer, nachhaltiger Bauweisen den Weg zu ebnen. Und das ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit!

 

Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Oktober 2019