Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Foto: Thomas Treitz

Eine Frage der Qualität

Es sind die Lösungen für bürgernahe Alltagsaufgaben, nicht die sogenannten Architektur-Highlights, deren Qualität unser aller Lebensgefühl direkt und täglich beeinflussen: an erster Stelle der Wohnraum. Kein Geschosswohnungsbau, kein Reihenhaus, auch keine Garage ist zu nebensächlich und zu unbedeutend, um nicht mit Raffinesse, Witz und Ideen, mit Anmut, Charme und Nachhaltigkeit gestaltet zu werden. Renommierte wie junge Architekten – gerade auch Bauträger sind dringender denn je gefragt, das Angebot an Wohnraum nicht lediglich zu ergänzen, sondern zu bereichern. Dabei muss die Forderung nach Qualitätssicherung bei kommunalen wie privaten Bauvorhaben nicht nur dort selbstverständlich sein, wo eine relevante und öffentlichkeitswirksame Stadtbildwirkung entsteht.

Ein ideales Instrument für eben diese Qualitätssicherung ist die Schaffung einer Konkurrenzsituation. Bekanntermaßen werden dazu Wettbewerbe oder andere konkurrierende Verfahren ausgelobt. Damit sollen für kommunale oder private Planungsaufgaben jeder Art und Größe optimale Ergebnisse erzielt werden. Faire Spielregeln stellen sicher, dass die mit großer Ambition und enormem Einsatz an Ressourcen erarbeiteten Konzepte angemessen gewürdigt werden und sich anspruchsvolle Architekturbüros überhaupt angesprochen fühlen.

Königsweg Planungswettbewerb

Wettbewerbe nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe RPW 2013 bieten dem Auslober die Möglichkeit, in einem anonymisierten Verfahren aus einer mittleren bis großen Auswahl an Lösungsansätzen, die für ihn optimale Planung und den geeigneten Planer zu finden. Im Vergleich zur Mehrfachbeauftragung ist der Planungswettbewerb deshalb kostengünstiger, weil das Honorar für die Planung nur einmal in Form der Preissumme auszuschütten ist.

Unterstützt wird der Bauherr dabei von einem kompetenten Preisgericht. Dessen Qualifikation und die anonyme Bewertung gewährleisten den Teilnehmern wiederum eine angemessene und unvoreingenommene Beurteilung. Die Verfasser der besten Arbeiten erhalten Preisgeld und können mit einer weiteren Beauftragung rechnen.

„Der Wertschöpfung, die der Auslober in Form all der Planungen erlangt, steht die Wertschätzung gegenüber, die dem Teilnehmer durch anständige Regeln, Vergütung und Auftragszusage entgegengebracht wird.“

    Profitabel für den Bauherrn oder die Bauherrin wird es insbesondere dann, wenn in einem möglichst offenen Verfahren möglichst vielen Bewerbern die Gelegenheit gegeben wird, ihre Leistung anzubieten und so ein großes Spektrum an Lösungen vorgelegt wird. Die beste Lösung bezieht sich dabei nicht nur auf die Gestaltung und Funktion, sondern auch auf die Belange der Nachhaltigkeit: auf die soziokulturellen und ökologischen Belange und ganz besonders auf die der Wirtschaftlichkeit.

    Durch seine Struktur haftet dem Wettbewerbsverfahren automatisch die Beteiligung vieler Disziplinen an. Die obligatorisch fundierte Vorbereitung sorgt für die frühe Mitwirkung aller Akteure (Bauherr, Nutzer, Fachämter, Preisgericht, Sachverständige, …) und damit für die Optimierung von Anforderungen, Prozess und Aufgabe. Rationalisierungseffekte und Einsparpotenziale im frühen Stadium sind geradezu unvermeidbar und jede Investition in Phase Null kommt dem Projekt zu Gute.

    Soll mit professioneller Unterstützung unter einer Vielzahl von Lösungsvorschlägen eine fundierte Auswahl getroffen werden, ist der Planungswettbewerb auf Grundlage der Richtlinie für Planungswettbewerbe RPW 2013 nach wie vor der Königsweg. RPW-Wettbewerbe bedeuten keinen Mehraufwand, sie erhöhen die Chance auf hohe Qualität. Sie sind auch in kurzer Zeit durchführbar und helfen wirtschaftliche und kostengünstige Lösungen zu entwickeln.

    „Je mehr gute Alternativen, desto besser.“

    Maßgeschneidert zur passgenauen Lösung

    Letztlich bietet jedes konkurrierende Verfahren mit mehreren Entwurfsalternativen, wie zum Beispiel die Mehrfachbeauftragung, die Chance, mehr Qualität zu produzieren als der Direktauftrag – je mehr gute Alternativen, desto besser. Nicht nur die Lösung der Aufgabe, auch der Weg dorthin kann maßgeschneidert sein. Werden eine gewisse Verbindlichkeit für den Verfahrensweg signalisiert und faire Regeln verabredet, findet das Verfahren alternativ zum Planungswettbewerb entsprechend Akzeptanz in der Architektenschaft.

    Bei Aufgabenstellungen von überschaubarer Komplexität kann die Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen im Rahmen der Beauftragung mehrerer Teilnehmer erfolgen, bei der die von jedem Teilnehmer erbrachten Leistungen angemessen, d.h. nach der HOAI, zu vergüten sind. Der Auftraggeber ist dabei nicht zur Weiterbeauftragung verpflichtet und schließt als privater Bauherr mit den Architekturbüros seiner Wahl jeweils einen Vertrag, meist über die Vorplanungsleistung, ab.

    Zur Qualitätssicherung empfiehlt sich – analog zur Wettbewerbsauslobung – eine eindeutig und präzise formulierte Aufgabenstellung und professionelle Auswertung der Ergebnisse. Der Einsatz einer kleinen (teilweise externen) Fachjury zur Optimierung der Aufgabenstellung und zur Entscheidungsfindung ist ebenfalls ratsam.

    Solche Mehrfachbeauftragungen – nicht nur Planungswettbewerbe nach RPW – können mit der Architektenkammer beraten und abgestimmt werden. Bei Erfüllung bestimmter Kriterien wird das Verfahren – analog zur Registrierung von RPW-Wettbewerben – bei der Architektenkammer „gelistet“ und damit quasi zertifiziert. Damit ist die Beteiligung aus der Sicht der Architektenkammer unbedenklich. Wichtige Faktoren sind dabei Aussagen zur Besetzung der Jury, zur weiteren Beauftragung, zur Vergütung und zur anonymen Bewertung der Beiträge.

    „Damit bietet die Architektenkammer ein breites Spektrum an Verfahrensarten an, die individuell ausgestaltet zur passgenauen Lösung der Planungsaufgabe führen helfen.“

    Konkurrenzlos kooperativ

    Die Idee hinter kooperativen Verfahren ist die Möglichkeit der Rückkoppelungen zwischen Bauherr, Nutzer, Preisgericht und Teilnehmer. Eine anonyme Bewertung der Lösungen ist hier entsprechend nicht gegeben. Bedeutet das Ringen um Qualität bei der Lösungssuche auch das Ringen um den in Aussicht gestellten Folgeauftrag, verbietet sich aus Fairnessgründen eine Offenlegung der Ideen und Lösungsansätze gegenüber den Mitbewerbern. Die Präsentation der eigenen Konzeptideen gegenüber den Mitbewerbern und damit die Option des Ideentransfers frustriert nicht nur den kreativeren Verfasser, sie kann auch bei den Ergebnissen insgesamt zu sehr ähnlichen Lösungen führen, wenn zu Gunsten einer Rosinenpickerei aus dem Konkurrenzangebot nicht stringent genug das eigene Konzept weiterentwickelt wird.

    Das kooperative Verfahren in diesem Sinne kann demnach auch kein öffentliches Verfahren sein. Der Dialog zwischen Bauherr, Nutzer, Preisgericht und Teilnehmer kann dann von Vorteil oder gar notwendig sein, wenn Zielsetzung, Rahmenbedingungen und Raumprogramm noch nicht festgelegt werden konnten. Kooperatives Arbeiten ist am ehesten unerlässlich bei städtebaulichen unkonventionellen Aufgabenstellungen wie etwa der Umnutzung ehemals industriell genutzter Liegenschaften, deren Folgenutzung noch zu klären ist. Im Verfahren stehen demnach die Klärung und Definition der eigentlichen Aufgabenstellung im Fokus.

    Eine Verzahnung mit der Öffentlichkeit ist gerade dann gut denkbar, wenn das Verfahren die Ermittlung der Ziele und Rahmenbedingungen, die Definition von Potenzialen und Tabus und damit die Formulierung der Frage- und Aufgabenstellung zum Ziel hat. Je öffentlicher die Umsetzung der Aufgabe später wirksam werden wird, desto breiter sollte die Öffentlichkeit in die Definition der Aufgabe und ihrer Rahmenbedingungen eingebunden werden.

    „Da der gebauten Umwelt niemand ausweichen kann, geht sie alle an und darum sollten auch alle etwas dazu zu sagen haben.“

    Dies kann zu hoher Akzeptanz führen und damit insbesondere bei brisanten Themenstellungen im Interesse der Bauherrenschaft und Kommune liegen. Hierzu bietet sich ein Workshop-Verfahren mit angemessener Vergütung für die beteiligten kooperierenden Stadtplaner und Architekten ohne Konkurrenz um einen Folgeauftrag an. Die Erarbeitung der Lösung mit all ihren komplexen Anforderungen ist dann in einem anschließenden Verfahren wiederum bei konkurrierenden Stadtplanern und Architekten in besten Händen.

    Planungswettbewerbe oder konkurrierende Verfahren sind gegenüber einfachen Vergabeverfahren nach VgV eindeutig zu bevorzugen. Deswegen hat der Gesetzgeber bei den Vorschriften zur Vergabeordnung einen separaten Abschnitt dazu aufgeführt. Dort heißt es: „Planungswettbewerbe gewährleisten die Wahl der besten Lösung der Planungsaufgabe und sind gleichzeitig ein geeignetes Instrument zur Sicherstellung der Planungsqualität und Förderung der Baukultur.“ Dem ist nichts weiter hinzuzufügen!

    Weitere Informationen finden Sie auch auf der Webseite der AKBW.

    Dr.-Ing. Fred Gresens, Vorsitzender der Strategiegruppe Vergabe und Wettbewerb, Thomas Treitz, Referent für Vergabe und Wettbewerb

    Juni 2020


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