Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Foto: HHS PLANER + ARCHITEKTEN AG/Constantin Meyer, Köln

Klimaneutrale Gebäude bis 2050?

Diesem internationalen Ziel hat sich die Landesregierung verpflichtet. Aber was heißt das nun für den Gebäudesektor?

Mit dieser Frage beschäftigt sich auch die „Strategiegruppe Wohnen“ der Architektenkammer Baden-Württemberg. Klar ist, Gebäude verbrauchen Energie und sind für einen großen Teil der globalen CO2-Emissionen verantwortlich: Etwa ein Drittel aller Emissionen in Deutschland wird durch Gebäude und deren Nutzung verursacht. Auch wenn die Dringlichkeit der Lösung der Klimakrise aktuell durch die Coronakrise doch etwas in den Hintergrund getreten zu sein scheint, so ist doch jedem bewusst, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Zahlreiche Fragen bestimmen die Diskussion

Welche Lösungen führen zum anvisierten Ziel? Und wie können unterschiedliche Akteure für Lösungsansätze sensibilisiert werden?

Vielfältigen erfolgreichen Effizienzmaßnahmen stehen heutzutage teils gestiegene Bedarfe und Ansprüche gegenüber. Welche dieser Maßnahmen sind also erforderlich und umsetzbar? Wie viel Suffizienzstrategie ist dem Nutzer vermittelbar? Und wie viel darf die CO2 Einsparung kosten?

Kriterien für einen klimaneutralen Gebäudebestand

Zurück zur Ausgangslage:  Klimaneutral ist ein Gebäude dann, wenn die Differenz der verursachten Emissionen und der Emissionen, die durch Produktion von CO2-freier Energie eingespart werden, auf ein Jahr hin betrachtet Null bzw. kleiner als Null ergibt. Solch ein Gebäude spart also in Summe im Betrieb mehr Treibhausgase ein, als es selbst ausstößt.

Drei wesentliche Bausteine führen dabei zur Klimaneutralität:

  • die Minimierung des gesamten Energiebedarfs
  • die effiziente Erzeugung von erneuerbarer Energie am Gebäudestandort
  • die Auswahl von Energieträgern mit möglichst geringer CO2-Intensität

    Gebaute klimaneutrale Vorbilder gibt es bereits, die zeigen, dass die genannten Bausteine realisierbar sind. Ein gelungenes Beispiel ist das „Aktivhaus Frankfurt“ (siehe Foto; Quelle: www.hhs.ag). Gerade im Wohnungsbau ist das Nutzerverhalten entscheidend. Mieter profitieren bei diesem Projekt vom Energie- und Versorgungskonzept über eine Flatrate-Miete. Gesondert zu zahlen ist der darüberhinausgehende Verbrauch. Dabei ist der eigene Energieverbrauch auf einem TouchpaneI in jeder Wohnung für den Mieter nachvollziehbar. Diese Visualisierung sowie der Vergleich mit anderen Nutzern kann und soll jeden Einzelnen zu einem sparsameren Verbrauch anregen.

    Zwar kann ein Bestandsgebäude nicht von heute auf morgen klimaneutral werden, doch kann mit einem systematischen Vorgehen dieses Ziel Schritt für Schritt erreicht werden. Ein Klimaschutzplan für Gebäude und Standorte unterstützt diese systematische Vorgehensweise.

    Langfristige Maßnahmen erfordern Umdenken

    Wer sein Gebäude umbaut und einer erneuten Sanierung in den kommenden 30 Jahren vorbeugen will, muss sich schon heute am Ziel eines klimaneutralen Gebäudebetriebes ausrichten.

    Damit steht fest, dass der Einsatz deutlich erhöht werden muss,  um das im Pariser Abkommen fixierte Zwei-Grad-Ziel und einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 zu erreichen. Die Situation erfordert neben viel Engagement auch umfassende Transformation.

    Wir Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner können gemeinsam mit unseren Bauherren und Auftraggebern einen signifikanten Beitrag leisten. Initiativen wie „Architects for future“, „Architects declare“ oder die „Phase Nachhaltigkeit“ und Tools wie das Rahmenwerk für „Klimaneutrale Gebäude und Standorte“ unterstützen dieses Ziel.


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