Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Foto: Susanne Dürr

Verändert Corona unsere Vorstellung von Wohnen?

Die Corona-Krise macht auch vor den ehrenamtlichen Strukturen der Architektenkammer nicht halt. So tagte die „Strategiegruppe Wohnen“ erstmals per Videokonferenz. Aus aktuellem Anlass wurden die Auswirkungen der Pandemie auf die Fragestellungen der Strategiegruppe erörtert. Freilich kann man zum derzeitigen Zeitpunkt nur erste Gedankengänge anreißen, sicher ist allerdings, dass auch die Wohn-Welt nach Corona eine andere sein wird.

Entsteht durch die Pandemie ein Veränderungsdruck auf Wohngrundrisse? Welche Erfordernisse ergeben sich durch die veränderte Arbeitswelt und das Homeoffice? Welche Abgrenzung von Wohnen und Arbeiten ist gewünscht? Und gleichzeitig:  Welche Impulse zur Aufhebung der Trennung von Wohnen und Arbeiten ergeben sich durch Corona? Leistet das Virus einer Bewegung zurück aufs Land Vorschub, weil sich die Krise mit eigenem Garten, mehr Abstand, wenig gemeinschaftlich genutzter Fläche besser überstehen lässt?

Die gegenwärtige Umstellung der Arbeitswelt gibt der Wohnung eine neue Bedeutung. Sie wird zum räumlichen Zentrum des Alltagslebens. Daher wird sich beim Verhältnis Wohnen-Arbeiten die Präferenz in Richtung Wohnen verschieben. Schwierig wird es, wenn sich das komplette Leben in kleinen Appartements abspielt.

Klar ist, dass die Menschen nun die negativen Seiten urbaner Dichte direkter spüren. Corona ist ein Rückschlag für die dichte Stadt und öffentliche Kommunikationsräume. Gleichzeitig wird gerade die Urbanität im Moment schmerzlich vermisst, ebenso wie der städtische Freiraum, dessen Bedeutung nun klarer wird.

Entscheidend ist, die unterschiedlichen Teilnehmer am Wohnungsmarkt zu berücksichtigen: Studierende in der Großstadt haben eine andere Wohnsituation als junge Familien auf dem Land. Die gruppenspezifische Nachfrage nach Wohnraum wird in Zukunft deutlicher adressiert werden müssen.

Zusammengefasst: Die Corona-Krise wirft Fragen auf, die einer Erörterung unter neuem Blickwinkel bedürfen. Klar ist, es braucht differenzierte Wohnraumangebote für die immer individueller werdende Gesellschaft. Die Krise macht aber auch deutlich, dass Wohnkonzepte, die Nachbarschaften und damit ein Miteinander fördern, hilfreich sind. Darüber hinaus muss der Qualität von Wohnungsgrundrissen mehr Bedeutung zugestanden werden – gerade in Bezug auf bezahlbaren Wohnraum. Gleichzeitig bleiben Urbanität, Dichte, Grün und gute Wege in vernetzte Freiräume von hoher Relevanz.

Stand: April 2020


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