Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Quelle: White Arkitekter und Taktics

Reutlingen: Wohnen und Arbeiten in neuen Gebäuden

Reutlingen: Investorenverfahren Heinzelmann-Areal

Zweiphasiges Investorenverfahren mit Konzeptvergabe

Auslober: Stadt Reutlingen

1. Preis: Projektentwickler GIEAG Immobilien AG (GIEAG) mit dem Architekturbüro „White Arkitekter“ (in Zusammenarbeit mit Bicon Project Management)

Der Gemeinderat der Stadt Reutlingen hat in der Sitzung am 17. Mai 2018 beschlossen, dass ehemalige Fabrikgelände in der Planie 20/22, Urbanstraße 23, als eine der letzten größeren Potenzialflächen in der Oststadt zu reaktivieren und hierfür zu privatisieren. Das Bestandsareal soll durch einen privaten Investor entwickelt werden, mit dem Ziel, ein lebendiges, zukunftsfähiges Quartier mit unterschiedlichen Nutzungen aus Wohnen, Büro, Praxen, Kleinhandwerk, Kunst / Atelier, Kultur, Handel, etc. entstehen zu lassen.

Die Nutzungen sollten möglichst zahlreich und ausgewogen im Areal angesiedelt werden. Das Zusammentreffen unterschiedlicher Nutzungsformen soll den Charakter der Oststadt mit unterschiedlichen Nutzungen und einer hohen Durchmischung widerspiegeln. Zudem soll das Areal nicht nur für die späteren Nutzer, sondern auch für die Bewohner der Oststadt insgesamt als Anlaufpunkt dienen – was eine gewisse Öffentlichkeit des Areals und somit einen Mehrwert für das gesamte Quartier schaffen würde.

Das Verfahren: Die Stadt Reutlingen hat das Areal Heinzelmann im Rahmen eines Investorenauswahlverfahrens anhand des besten Gesamtkonzepts vergeben. Im Rahmen dieser Konzeptvergabe wurde das städtische Grundstück nicht unter dem Kriterium des höchstmöglichen Kaufpreiserlöses abgegeben, sondern nach der Qualität des Konzepts von Architektur, Nutzung, Mobilität und weiteren Kriterien. Der Kaufpreis floss zu einem Teil in die Bewertung ein.

„An so einer bedeutenden Stelle darf man nicht nur das Geld regieren lassen, sondern muss etwas schaffen, was einen Mehrwert für die ganze Stadt darstellt.“

Thomas Keck, Oberbürgermeister der Stadt Reutlingen

Investorenauswahlverfahren

Das Ausschreibungsverfahren sah zwei Phasen vor: In der Stufe 1 (Teilnahmewettbewerb mit Eignungs- und Auswahlkriterien) hatten die Bewerber die fachliche und finanzielle Leistungsfähigkeit für das Projekt nachzuweisen. Zur Teilnahme konnten sich Teams aus Investoren und Planern/ Architekten bewerben, die geeignet und in der Lage sind Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb des Gesamtprojektes zu übernehmen.

In der Stufe 2 gaben die zugelassenen Bewerber ihre Angebote und Konzepte für die Entwicklung des Areals ab. Die Auswahl des Siegers erfolgte durch das Bewertungsgremium, welches die Entwürfe anhand einer festgelegten Entscheidungsmatrix bewertete. Es bestand aus Vertretern des Gemeinderats, der Bürgerschaft, der Verwaltungsspitze, externen Fachleuten und Vertretern aus den Fachämtern.

Der bundesweit tätige Projektentwickler GIEAG Immobilien AG (GIEAG) konnte sich in dem seit über einem Jahr laufenden Investorenverfahren gegen drei weitere Mitbewerber durchsetzen und hat den Zuschlag zum Ankauf des HEINZELMANN-AREALs in Reutlingen erhalten. Das Quartierskonzept wurde von der GIEAG gemeinsam mit dem in Schweden ansässigen Architekturbüro „White Arkitekter“ (in Zusammenarbeit mit Bicon Project Management) entworfen. Der Baubeginn ist für 2021 vorgesehen.

Die Umsetzung: Im Zentrum der Reutlinger Oststadt wird ein autofreies Quartier entstehen, das einen vielfältigen Mix aus Wohnen und Gewerbe auf einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 16.000 Quadratmetern umfasst. Im Rahmen der Entwicklung werden die bestehenden Gebäude saniert und durch den Neubau von zwei freistehenden Gebäuden aus Holz ergänzt, die zusätzlich mit Solarzellen auf den Dächern ausgestattet sind. Insgesamt sollen 87 Wohn- und 20 Gewerbeeinheiten sowie voraussichtlich 83 Pkw- und 150 Fahrradstellplätze entstehen. Die städtebaulichen Akzente werden in besonderer Berücksichtigung des historischen Kontextes und der denkmalgeschützten Bereiche des Areals gesetzt.

„Erfolgsgeschichten vergangener Immobiliengeschäfte sind nicht immer auf neue Situationen anwendbar. Im Team müssen wir uns den neuen Aufgaben stellen, Veränderungen wagen und uns ständig neu erfinden, um mit innovativen neuen Geschäftsmodellen auf den Wandel der Zeit reagieren zu können. Die Projektentwicklung des HEINZELMANN-AREALs ist eine große Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Unserer Verantwortung dabei sind wir uns vollends bewusst.“

Thomas Männel, Vorstand der GIEAG

„Transformation ist eine der großen Aufgaben der heutigen Architektengeneration, nicht nur aus Sicht der Ressourcenschonung, sondern auch, um unsere Städte an die veränderten Bedürfnisse der Gesellschaft anzupassen. Das neue HEINZELMANN-AREAL wird dabei durch den großzügigen öffentlichen Raum geprägt, der durch sein soziales Potenzial als neuer Treffpunkt nicht nur die Immobilie, sondern die umliegende Oststadt aufwerten kann.“

Max Zinnecker, Senior Architekt bei White Arkitekter

Die Architektenkammer Baden-Württemberg berät bei allen Fragen zu Vergabe und Wettbewerb. Weiterführende Informationen und Ansprechpartner finden Sie hier.