Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Skizze: Fink+Jocher

Stuttgart Feuerbach: Wettbewerb Quartier am Wiener Platz

Das Verfahren Stuttgart, Wiener Platz 2 ist Endbaustein einer Kette von Wettbewerben gewesen - 2012 gab es einen städtebaulichen Wettbewerb zur Grundordnung des Areals, darin eingefügt einen kombinierten Investoren-/Architektenwettbewerb, Verfahren für Baugemeinschaften und nun Beginn 2020 den letzten Wettbewerbsbaustein, aufgeteilt in zwei Lose mit der Baugenossenschaft Neues Heim als Bauherrschaft eG.

Wettbewerb Quartier am Wiener Platz, Stuttgart Feuerbach

Mehrfachbeauftragungen mit Konzeptvergabe

1. Preis: Fink und Jocher

Die ca. 2,8 ha große Fläche liegt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Nach über 80 Jahren Industrietätigkeit am Standort liegt das Areal brach. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat das Areal erworben und sich zum Ziel gesetzt, diese städtebaulich wertvolle Fläche von den Altlasten zu befreien, damit dort ein neues Quartier entstehen kann. Im Dezember 2012 wurde der städtebauliche Wettbewerb zur Entwicklung des ehemaligen Schoch Areals entschieden. In die Auslobung flossen die Ergebnisse der zweistufigen Bürgerbeteiligung vom Oktober 2011 und April 2012 ein.

Der erste Preis von Schüler-Architekten (Düsseldorf) und faktorgruen (Freiburg) sieht ein gemischt genutztes Gebiet mit einer gegliederte Blockrandbebauung als „Tor zu Feuerbach“ vor. Zur Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses wird derzeit ein neuer Bebauungsplan aufgestellt.

Im Baufeld Süd (BS) soll ein gemischt genutztes Gebiet mit ca. 140 Wohnungen mit unterschiedlichen Wohnformen realisiert werden. Nichtstörendes Gewerbe in den Erdgeschosszonen – insbesondere kleinteiliger Einzelhandel und Gastronomie zur Belebung des öffentlichen Raums sowie eine Kindertagesstätte sind vorgesehen.

Die Realisierung erfolgt durch verschiedene Bauherren. Ende 2017 wurden hierfür unterschiedliche Grundstücksvergabeverfahren gestartet. Die Entwicklung der Baulose BS1-3 wird durch Unternehmen (Wohnungsbaugesellschaften, -genossenschaften) des „Bündnis für Wohnen“ gewährleistet. Das Baulos BS4 ist für Baugemeinschaften reserviert.

Skizze: Fink+Jocher

Konzeptvergaben nach Mehrfachbeauftragungen

Das Areal am Wiener Platz soll als neues Entree zur Stuttgarter Straße, der Haupteinkaufsstraße in Feuerbach, dienen. Es liegt direkt am Bahnhof Feuerbach in fußläufiger Entfernung zur Stuttgarter Straße und hat somit nicht nur eine gute Infrastruktur, sondern auch eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Arbeiten und Wohnen sollen hier nebeneinander möglich sein. Im sogenannten Baufeld Süd in den Losen 1 bis 3 entstehen in den nächsten Jahren 100 Wohnungen.

Da mit dem Los 1 als Ankerinvestor auch die Koordination sämtlicher Lose für die Tiefgaragen- und Außenanlagenplanung verbunden ist, hat Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG entschieden, sich auf die Lose 1, 2 und 4.3 zu bewerben. Und: Für sämtliche Lose hat sie im Rahmen der städtischen Konzeptvergaben den Zuschlag erhalten.

Im Los 1 entstehen nun nach Plänen des Stuttgarter Architekturbüros blocher partners GmbH 60 Wohnungen, davon 100 % geförderte Einheiten, 50 % mittelbar belegt. Von diesen 30 geförderten Wohnungen sind 25 Einheiten für Menschen mit speziellen sozialen Bedarfen. Außerdem sind im Erdgeschoss ein Gastronomiebetrieb mit Außenbewirtschaftung, eine Tagespflege und Gewerbe vorgesehen. Die Jury überzeugten die verschiedenen Erschließungssysteme, insbesondere über den Laubengang und das gemeinschaftliche Wohnen zum Hof.

Im Los 2 entstehen nach Plänen des Münchner Architekturbüros Fink+Jocher 28 Wohnungen, davon ca. 15 geförderte Einheiten,7mittelbar belegt, und 13 Wohnungen für mittlere Einkommensbezieher gebaut. Zusätzlich ist im Los 2 noch eine sechsgruppige Kindertagesstätte mit großzügigem Außenbereich und ein Gastronomiebetrieb unterzubringen. Die hohe Wirtschaftlichkeit durch Modulbauweise überzeugte die Jury genauso wie der gut durchwegte und stark begrünte Innenhof.

Im Los 4.3 schließlich plant die Baugenossenschaft Neues Heim ein durchmischtes Gebäude. Hier werden Jung und Alt später einmal gemeinsam zusammenleben. Im Erdgeschoss ist eine Gewerbeeinheit sowie die "waschBAR" vorgesehen, im ersten Obergeschoss sind normale Mietwohnungen geplant, im zweiten Obergeschoss sollen sich Studenten wohlfühlen, im dritten Obergeschoss gibt es Clusterwohnungen und im vierten Obergeschoss wird eine Mietwohnung und ein großer Gemeinschaftsraum mit großzügiger Dachterrasse gebaut. So ein Gebäude gibt es in ganz Stuttgart in dieser Zusammensetzung mit dieser Gemeinschaft nicht. Es ist ein absolutes Leuchtturmprojekt für die Stadt Stuttgart, aber auch die Genossenschaft. Für die Planung zeichnet das Stuttgarter Büro ARP Architekten verantwortlich.

„Es ist zwar unsere Hauptaufgabe, preiswerten Wohnraum zu schaffen und den Bestand zu verwalten. Doch darüber hinaus schauen wir auf die Bedürfnisse unserer Mieter und stellen grundlegende Überlegungen zu kommenden Entwicklungen an.“

Rüdiger Maier, Vorstandsvorsitzender Baugenossenschaft Neues Heim

Aus dieser Haltung entstehen Konzepte, welche die Nachbarschaft und das Umfeld einbeziehen und tragfähige Strukturen für ganze Quartiere anlegen.

Baubeginn bei diesem Großprojekt ist voraussichtlich Herbst 2021. Als Gesamtkosten für alle drei Lose sind inklusive Grundstückserwerb rund 35 Mio. € geplant. Das Gesamtvorhaben wurde bzgl. der Quartiersentwicklung am 26.03.2019 als Projekt in das IBA’27-Netz der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart aufgenommen.


Die Architektenkammer Baden-Württemberg berät bei allen Fragen zu Vergabe und Wettbewerb. Weiterführende Informationen und Ansprechpartner finden Sie hier.