Magazin für zeitgemäßes Wohnen
 Skizze: Hild und K München/Berlin, Studio Vulkan Landschaftsarchitektur München/Zürich

Stuttgart: Hochwertige Entwicklung eines Wohnquartiers

Stuttgart-Zuffenhausen: Integriertes Quartier an der Böckinger Straße / Beispielprojekt zur IBA’27

Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit 20 Teilnehmern

Auslober: SWSG Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH

1. Preis: Hild und K, München/Berlin | Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH, München/Zürich

Gegenstand des Wettbewerbsverfahrens ist ein städtebauliches sowie freiraumplanerisches Gesamtkonzept für das neue Quartier an der Böckinger Straße. Das Projekt soll im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA’27 als exemplarischer Beitrag für eine hochwertige und nachhaltige Entwicklung eines integrativen Wohnquartiers präsentiert werden. Das Wettbewerbsergebnis dient als Grundlage für einen neuen Bebauungsplan.

Ziel des Projekts Böckinger Straße ist, ein sozial durchmischtes Stadtquartier für verschiedene Nutzergruppen in einer architektonisch qualifizierten Dichte zu schaffen. Das zukünftige Quartier soll räumlich und funktional eng mit dem bestehenden Stadtteil und den angrenzenden Grün- und Naherholungsräumen verknüpft sein. Dabei gilt es, eine angemessene bauliche Vielfalt mit hohen stadträumlichen Qualitäten zu verbinden.

Innovatives Miteinander in Wohn- und Freiräumen

Neben der Nutzungsmischung soll beispielsweise für den IBA-Ansatz bei städtebaulichen Einzelbausteinen eine hohe Grundrissflexibilität realisiert werden, d.h. Wohnungen werden sich an verschiedene Nutzungs- und Lebensabschnitte anpassen. In die Leitlinien der IBA passt auch besonders der soziale Quartiersansatz, ambulant und stationär betreute Wohnungen der eva zu integrieren und teilweise in die Bestände einzustreuen.

Hauptakteur ist bei diesem Projekt die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) in Verbindung mit der Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V. (eva). Gemeinsam mit den neuen Bewohnern und den Anwohnern des angrenzenden Bestandsquartiers werden Sharing-Modelle, etwa für den bestehenden bzw. geplanten Garten, aber auch für Kompetenzen und Fähigkeiten der Bewohner des „Immanuel-Grözinger-Hauses“ der eva umgesetzt. Gemeinwohlorientierung und Eigeninitiative sollen dabei gefördert werden. Bedingt durch die beteiligten Projektpartner ist preiswertes Bauen in gleichzeitig beispielhaft gestalteter Architektur einer der zentralen Aspekte.

„Es handelt sich bei dem Projekt um ein durchmischtes Quartier mit vielen sozialen Komponenten. So können beispielsweise die pädagogisch genutzten, wertvollen Gärten des Projektpartners Evangelische Gesellschaft erhalten bleiben. Und selbstverständlich werden die Bürgerinnen und Bürger über eine öffentliche Beteiligung eingebunden.“

Peter Pätzold, Stuttgarter Bürgermeister für Städtebau, Wohnen und Umwelt

Das städtische IBA'27-Potenzial wurde durch Beschluss des Aufsichtsrats der IBA'27-Gesellschaft am 22. März 2019 in das IBA'27-Netz aufgenommen. Damit verknüpft sind folgende Ziele:

  • Urbanes Wohnen soll für alle Gesellschaftsschichten in einer sozialen Durchmischung attraktiv sein.
  • Nutzungsmischung, Dichte und Nähe im Quartier sollen die motorisierte Mobilität reduzieren.
  • Die Bauwerke sollen höchsten ästhetischen, technischen und funktionalen Ansprüchen entsprechen und für Generationen einen entscheidenden Beitrag zur regionalen Identität leisten und gleichzeitig Aspekte des preiswerten Bauens berücksichtigen (Baukultur).
  • Urbane Strukturen in der Fläche sollen gestärkt und Qualitäten von Quartieren in einer polizentrischen StadtRegion gesteigert werden. Eine kleinteiligere Gliederung des Raumes und eine Verbesserung der stadt- und landschaftsräumlichen Qualität soll höhere Anteile von und Fuß- und Radverkehr ermöglichen und so die Lebens- und Umweltqualität verbessern.
  • Neues Wohnen soll eine hohe Grundrissflexibilität ermöglichen und somit auch die Anpassbarkeit an verschiedene Nutzungen und Lebensabschnitte gewährleisten.
  • Beispielhafte modulare Bauweisen sollen erforscht werden, die den Holzbau und weitere Leichtbautechniken beflügeln und wirtschaftlich begünstigen (neue Technologien und Prozesse).
  • Durch gute Vernetzung und Sharing-Modelle können Ressourcen geschont werden und von vorhandenen Fähigkeiten der im Quartier lebenden Menschen sollen diese gegenseitig voneinander profitieren (Neue Arbeitswelten).
  • Es sollen ökologische Projekte gefördert werden, die sich an Grundsätzen der Energieschonung, der CO2-Neutralität und der Rezyklierung von Materialien orientieren.

Der Wettbewerb: Die SWSG plant als künftige Eigentümerin der Liegenschaft in einem ersten Bauabschnitt eine Wohnbebauung mit insgesamt circa 360 Wohnungen, davon rund 230 geförderte Wohneinheiten.  Zusätzlich sollen die Teilnehmer Vorschläge für 30 Wohnungen nach den IBA-Leitlinien entwickeln. Im Hinblick auf die IBA’27 übernehmen diese als ein weiterer Baustein der IBA-Gesamtkonzeption für das Quartier eine besondere Funktion (Ideenteil I).

In einem zweiten Bauabschnitt soll für die bereits heute im Quartier etablierte Evangelische Gesellschaft (eva) eine Neubebauung entstehen. Neben dem bereits bestehenden „Immanuel-Grözinger-Haus“ mit derzeit 144 Heimplätzen (füralleinstehende Männer in besonderen Lebensverhältnissen)und einem großen Nachbarschaftsgarten sind Wohnangebote mit 57 Plätzen geplant. Auch diese Bebauung soll durch die SWSG realisiert werden (Ideenteil II).

Die Etablierung des neuen Wohnstandortes macht es zudem erforderlich, im Quartier eine Kindertagesstätte vorzusehen. Aufgrund des besonderen Miteinanders verschiedener Nutzergruppen im Quartier könnte diese mit einem Nachbarschafts- und Quartierszentrum (sog. kleines Stadtteilhaus) sowie weiteren gemeinschaftlichen Einrichtungen kombiniert werden (Ideenteil III).

Neben der Planung der Hochbauten stellen auch die städtebaulichen und freiraumplanerischen Qualitäten einen wichtigen Bestandteil der Aufgabenstellung dar.

Die Preisträger: Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Professor Jens Wittfoht hat am 20. Januar 2020 den Entwurf des Büros Hild und K, München/Berlin, in Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten Studio Vulkan, Zürich/München, mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Die Jury bewertete, dass der Entwurf in der Maßstäblichkeit angemessen auf den Standort reagiere.

„Das Areal  an der Böckinger Straße ist für die SWSG eines der größten Wohnbauentwicklungsgebiete der nächsten Jahre. Hier werden außerdem für die Internationale Bauausstellung 2027 circa 30 Wohneinheiten in innovativer Wohn- und Bautypologie entstehen.“

Samir M. Sidgi, Vorsitzender der Geschäftsführer der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG)

Skizzen und Modelle

Aus der Jurybegründung

„Die Idee des gemeinschaftlich genutzten grünen Innenraums variiert die öffentlichen Räume, beginnend mit dem bestehenden eva-Garten über Stadtteilhaus und Kita bis hin zum neuen eva-Garten und unterstützt damit das Konzept des sozialen Miteinanders.“


Die Architektenkammer Baden-Württemberg berät bei allen Fragen zu Vergabe und Wettbewerb. Weiterführende Informationen und Ansprechpartner finden Sie hier.